10 Personen Kultur Kasachstan

Die zehn Größten in Kasachstans Kulturszene

Seit einigen Jahren ist kasachstanische Kultur nicht nur im Inland lebendig, sondern exportiert sich auch ins Ausland. Ein Überblick über einige der bekanntesten Sänger, Regisseure und Schriftsteller des Landes. Folgender Artikel erschien im russischen Original bei Informburo.kz.

Die moderne kasachstanische Kultur ist ein ziemlich kompliziertes Phänomen. Es gibt zwei Publika – ein kasachischsprachiges und ein russischsprachiges – mit unterschiedlichen Ansichten und Geschmäckern.

Die Stars und die Interessengebiete dieser Gruppen überschneiden sich nicht nur kaum, sie sind teils auch jenseits ihrer Gemeinschaft gänzlich unbekannt. Die Nachrichtenplattform Informburo.kz hat eine Liste derjenigen zusammengestellt, die der Meinung der Redaktion nach interessante und wichtige kulturelle Produkte für das moderne Kasachstan herstellen.

Galymdschan Moldanazar

Die Lieder der Gruppe Moldanazar laufen ständig im Radio und im Fernsehen und ihr Frontman Galymdschan Moldanazar wird in der Presse fast schon als der progressivste Musiker in Kasachstan bezeichnet.

Er hat keine spezielle musikalische Ausbildung. Der gebürtige Kyzylordaer begann schon zu Schulzeiten Lieder zu schreiben, wagte es aber lange nicht, sie öffentlich zu singen. Nach der Schule trat er er sogar in die Schauspielabteilung der Schurgenow-Kunstakademie ein. Er merkte aber schnell, dass er sich eigentlich ganz der Musik widmen will. So schmiss er das Studium hin und verliess das Studentenwohnheim, um buchstäblich auf der Straße zu landen. Nach eigenen Worten schlief er eine Zeit lang auf Parkbänken, ehe seine Freunde davon hörten und ihn bei sich unterbrachten.

Moldanazars erster Erfolg kam 2013 unmittelbar nach der Veröffentlichung des Videos zum Song „Akpen Birge„. Danach kam die Bekanntschaft mit dem berühmten Rockcellisten von Break of Reality und ein gemeinsamer Auftritt in New-York. Der heute 30-jährige Galymzhan arbeitet Tag und Nacht im Studio und nimmt neue Songs auf. Einige von ihnen werden zu Film-Soundtracks: So hört man beispielsweise „Sagym“ in Nurtas Adambaews Film „Taraz“.

Moldanazar arbeitet genauso seriös an den Clips wie an der Musik: Jedes Musikvideo erzählt  eine vollwertige Geschichte. Wegen seinem europäischen, modernen Sound wird er oft mit der Moskauer Gruppe Tesla Boy oder dem ukrainischen Musiker Ivan Dorn verglichen. Mit letzterem hat er gar ein gemeinsames Stück aufgenommen.

Samal Jesljamowa

Samal Jeljamowa gewann als erste Schauspielerin aus dem postsowjetischen Raum den Preis für die beste weibliche Hauptrolle in Cannes. Prämiert wurde ihre Rolle in Sergej Dwortsewojs Film „Ajka“. Dort spielt sie eine Arbeitsmigratin aus Kirgistan in Moskau, die dort schwanger wird und aus finanzieller Not ihr Kind im Geburtshaus lassen muss.

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Wie Jeljamowa im Interview mit Informburo.kz erklärte, trieb sie sich mit körperlichen Aktivitäten bis zur Erschöpfung, um beim Dreh ihre Rolle so realistisch wie möglich zu verkörpern. Die Dreharbeiten des Films dauerten sechs Jahre. Es ist erst die zweite Kinorolle der Schauspielerin. Die erste war eine Nebenrolle im Film „Tulpan“, ebenfalls von Sergej Dvortsewoj, der in Cannes den Hauptpreis des Wettbewerbs „Un Certain Regard“ erhielt.

Jesljamowa lebt seit mehr als 10 Jahren in Moskau: Nach dem Abschluss der Russischen Akademie für Theaterkunst entschied sich die Kasachstanerin, in der russischen Hauptstadt zu bleiben. Sie träumte zwar eigentlich davon, Journalistin zu werden, bereut aber nicht, dass sie die Schauspielabteilung besucht hat. Ihre Eltern und Verwandten leben noch immer in Petropawl, im Norden Kasachstans.

Aisultan Seitow

Die Karriere des jungen Regisseurs aus Astana entwickelt sich rasend schnell. Mit zwanzig Jahren absolvierte Aisultan Seitow die New York Film Academy, drehte den Kurzfilm „Jackal“, der das Hollywood Boulevard Film Festival gewann, unterschrieb einen Vertrag mit der russischen Produktionsfirma Hype Production und drehte Videoclips für berühmte Musiker.

Zu seinen Werken gehören Videoclips zu Songs wie „Janym Sol“ von Galymjan Moldanazar, Collaba von Ivan Dorn und „Childfree“ vom russischen Rapper Noize MC. Für seinen ersten Videoclip zu „Po Wetru“ (Dem Wind Nach) von der kirgisischen Gruppe „Dschawa Miyadsaki“ erhielt er noch ein Honorar von Tausend Dollar. Heute wird ein Drehtag von Seitow auf fast 5000 Dollar geschätzt.

 

Laut eigenen Angaben arbeitet er vor allem mit Künstlern, was ihm neben dem Gewinn auch eine Riesenfreude bereitet. Der Regisseur plant auch schon Spielfilme. Die Details gibt er nicht preis, möchte aber einen Film in Almaty, einen in Moskau und einen unbedingt irgendwo in den Bergen drehen.

Kuralai Nurkadilowa

Die Inhaberin des Modehauses Kuralai ist seit den 90er Jahren erfolgreich. Kuralai Nurkalidowas Karriere begann als Modedesignerin bei „Symbat“, wo sie Bekleidungskollektionen entwarf. Weiter arbeitete sie als Stylistin beim Fernsehen und war mit der künstlerischen Gestaltung der Hauptstadt Astana beauftragt, wobei sie die Beleuchtung wichtiger kultureller und öffentlicher Gebäude plante.

Der wachsende Bedarf an schöner und origineller Kleidung in Kasachstan brachte sie dazu ihr eigenes Modehaus zu eröffnen. Das Geschäft war schnell erfolgreich und die Designerin baute das Netzwerk ihrer Filialen über verschiedene Städte des Landes aus. Gleichzeitig stellte Nurkadilowa ihre Kollektionen bei Ausstellungen zur Schau.

Im Jahr 2007 wurde sie Exekutivdirektorin der Nationalen Modekammer Kasachstans und wurde vom Magazin Harper`s Bazaar Kazakhstan zur Designerin des Jahres ernannt. Kuralai ist eine bekannte Marke, auch außerhalb der postsowjetischen Länder: Es zählt beispielsweise eine Prinzessin aus Saudi-Arabien zu den Kunden des Modehauses.

Skriptonit

Adil Dschalelow, der unter dem Pseudonym Skriptonit auftritt, wurde 2015 unmittelbar nach der Veröffentlichung seines Debütalbums „Dom s normalnymi jawlenijami“ bekannt. In den [kasachstanischen] iTunes-Charts überholte das Album schnell das von Justin Bieber und belegte hinter dem neuen Album der Sängerin Adele den zweiten Platz. Kritiker verglichen die Platte mit einer ungewöhnlichen Nacherzählung eines Art-House-Films, der auf harmonische Weise Stücke verschiedener Genres miteinander verknüpfte: Hip-Hop, Track mit Blues-Rock, Gesang mit undeutlichem Flüstern, Rezitation und Schreie.

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Skriptonit hatte bereits zwei Jahre zuvor mit dem Videoclip zum Song VBVVCTND auf sich aufmerksam gemacht. Unter mehreren Kooperationsangebote wählte er einen Vertrag mit dem russischen Rap-Label „Gazgolder“ des Rappers Wasily Wakulenko, besser bekannt als Basta. Im Jahr 2016 gewann Skriptonit den „Realen Preis von MusicBox“ in der Kategorie „Out of Format“ und das GQ-Magazin nannte ihn „die Entdeckung des Jahres“. Sein zweites Album „Prazdnik na ulitse 36“, das im Frühjahr 2017 erschien, führte in Russland die iTunes Charts an und kam auch in Südkorea und Großbritannien unter die besten zehn. Sein letztes, zweiteiliges Album, „Uroboros“, erschien Ende 2017. Daraufhin kündigte er an, für eine Weile mit dem Rap aufzuhören und sich anderer Musik zu widmen.

Kairat Nurtas

Er ist der reichste Musiker Kasachstans: Laut Forbes Kazakhstan und dem TV-Sender MuzZone verdiente Kairat Nurtas im Jahr 2015 2,5 Millionen Dollar. Neben seiner Musik ist er auch Schauspieler und Geschäftsmann. Nurtas Gesangstalent offenbarte sich in seiner frühen Kindheit, bereits mit zehn Jahren trat der Künstler in einem Konzertsaal in Baikonur auf. Bei all seinen Bemühungen wurde er von seiner Mutter, die auch als sein Produzent arbeitete, unterstützt.

Nurtas singt nur auf Kasachisch, sein Repertoire beinhaltet neben eigenen Kompositionen Stücke von jungen und bekannten Komponisten: Aset Beiseyuow, Schamschi Kaldajakow, Jerdschan Serikbajew. Er ist sehr populär, aber während einige ihn verehren, werfen ihm andere mangelnden Musikgeschmack und Vulgarität vor und nennen ihn „einen Hochzeits-Performer“. Auch wurde sein Name bereits mit einer Reihe Skandale in Verbindung gebracht, wie eine  Show im Prime Plaza Einkaufszentrum in Almaty, die in Gewalt endete.

Im Jahr 2014 wurde der Künstler bei den Eurasian Music Awards zum besten Interpreten gewählt. Er hat viele Duos mit in- und ausländischen Künstlern aufgenommen, darunter mit der russischen Popsängerin Nyusha. Im Jahr 2015 begann mit dem Eintritt in die Präsidentenpartei Nur-Otan seine politische Karriere. Der Sänger gründete auch seine eigene Filmfirma „Kairat Nurtas Production“, veröffentlichte ein Hochglanzmagazin auf seinen Namen und eröffnete in Almaty ein Café und eine Modeboutique. Der ambitionierte Sänger und Unternehmer plant auch seine eigene Fluggesellschaft „KN Air“ zu eröffnen.

Dimasch Kudaibergen

Dimasch Kudaibergen erlangte zuerst durch seine Erfolge bei internationalen Musikwettbewerben Landesweiten Ruhm und Anerkennung. Zuerst gewann er den Grand-Prix beim „Slawischen Basar 2015“ in Witebsk (Belarus), dann den zweiten Platz chinesischen Wettbewerb „Singer-2017“ und festigte schließlich seinen Erfolg mit seiner Ehrung als „Beliebtester Sänger in Asien“ bei den Top Chinese Music Awards. Kudaibergen Stimme erstreckt sich über sechs Oktaven: vom Bass bis zum Pfeifregister.

Im Inland scheint seine Karriere jedoch beschwerlicher als im Ausland. Im Internet tauchte ein Videoclip aus dem TV-Musikwettbewerb „Saz älemi“ auf, in dem die Juroren Kudaibergens  hohen Gesang als „Braut im billigen Wagen“ bezeichneten. Damit kritisierten sie die übertriebenen Effekte bei einem Lied, das diese nicht hergebe.

Trotz der Schwierigkeiten gab Kudaibergen am 27. Juni 2017 sein erstes Solokonzert in der Astana Arena. Die russische Sängerin Kristina Orbakaite, die schwedische Künstlerin Loreen, die englische Sängerin Sophie Alice-Bextor und selbst der chinesische Sänger Terry Lin, sein Rivale beim „I am Singer-Projekt“, traten mit ihm auf. Das Konzert wurde von 30.000 Zuschauern besucht.

Maria Mudriak

Die Opernsängerin Maria Mudriak ist für die nächsten Jahre ausgebucht. Sie ist kasachstanische Staatsbürgerin, lebt aber seit ihrer Kindheit in Italien. Dank ihres Talents trat sie mit 12 Jahren über das Bolaschak-Programm (ein kasachstanisches Stipendienprogramm für Studium im Ausland) in das Mailänder Konservatorium ein. Mit 18 schloss ihre Ausbildung mit Auszeichnung ab und wurde mit 19 die jüngste Opernsängerin mit Hochschulabschluss der Welt.

Im Jahr 2011 wurde sie zur besten jungen Sängerin Italiens gekürt. Im internationalen Wettbewerb „Belvedere“ wurde sie zu einer der zehn besten Sopranistinnen weltweit gekürt. Sie beherrscht die Belcanto-Technik, die als eine der kompliziertesten im virtuosen Gesang gilt. Sie singt in fünf Sprachen: Italienisch, Englisch, Spanisch, Deutsch und Französisch. Seit Januar 2015 ist sie Solistin am „Astana Opera“ Theater, insbesondere in den Darstellungen von „La Boheme“ und „La Traviata“.

Ermek Tursunow

Regisseur, Drehbuchautor, Dichter, Schriftsteller, Übersetzer, Dramatiker, Mitglied des Journalistenverbandes der UdSSR, Meinungsmacher: Ermek Tursunow hat viele Berufe. Berühmt wurde er 2008, als sein erstes Werk als Regisseur, der Film „Kelin“, in die engere Auswahl für den Oscar des besten fremdsprachigen Films kam.

„Kelin“ teilte die kasachstanische Gesellschaft in zwei Lager: Die einen freuten sich aufrichtig über den Erfolg, die anderen waren empört über die erotischen Szenen im Film. Die Debatte hielt lange an. Auch sein zweiter Film, „Schal„, basierend auf Ernest Hemingways Roman „The Old Man and the Sea“, war ein großer Erfolg.

Ein weiteres Mal machte Tursunow im Februar 2014 auf sich aufmerksam, als er nach der Abwertung der Nationalwährung Tenge einen offenen Brief mit dem Titel „Meine ungleiche Ehe mit dem Staat“ veröffentlichte. Er ist zudem Autor von verschiedenen Romanen.

Dosym Satpajew

Dosym Satpajews Meinung zu diesen oder jenen Ereignissen ist in Kasachstan gefragt, so wird er auch von verschiedenen Medien öfters um Kommentare gebeten. Der Politikwissenschaftler schreibt oft auch selbst analytische Materialien und äußert sich über seine Facebook-Seite.

Er nimmt zu vielen Themen Stellung, darunter Personaländerungen in der Regierung und anderen zentralen Behörden, neue Gesetzesinitiativen, Reformen, Beziehungen zwischen Regierung und Gesellschaft. Seit 2002 ist er Gründer und Direktor der Consultingagentur „Risk Assessment Group“ (KRAG), die mit großen ausländischen Investoren, internationalen Ratingagenturen und diplomatischen Missionen zusammenarbeitet.

Darüber hinaus ist Satpajew Leiter eines privaten Kultur- und Bildungsfonds im Rahmen des Literaturprojekts „Söz“ (Wort). Die Organisation unterstützt lokale Autoren bei der Veröffentlichung ihrer Bücher in kleinen Auflagen. Zu den von seiner Stiftung herausgegebenen Büchern gehören „Melotschi schisni“ (Die kleinen Dinge im Leben) von Ermek Tursunov und „Kotelok“ (Melonenhut) des Journalisten Vadim Boreiko.

Igor Mossunow
Informburo.kz

Aus dem Russischen von Florian Coppenrath

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