Ayman Umarowa Melania Trump

„Gewalt kann nicht toleriert werden“ – Interview mit der kasachischen Frauenrechtlerin Ayman Umarowa

Die kasachische Anwältin Ayman Umarowa ist eine von zehn Frauen, die mit dem International Women of Courage Award 2018 ausgezeichnet wurde – ein Preis der seit 2007 jährlich an Frauen vergeben wird, die sich durch besonderen Mut im Rahmen ihrer beruflichen Tätigkeit ausgezeichnet haben. Im Interview mit Azattyq spricht die Anwältin über ihren Kampf für Menschen- und Frauenrechte in Kasachstan. Novastan.org übersetzt den Beitrag mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.

Ayman Umarowa ist als Juristin auf besonders schwerwiegende Straftaten im Zusammenhang mit sexuellem Missbrauch von Frauen und Kindern spezialisiert. Darüber hinaus leistet sie verurteilten Personen juristischen Beistand, die aus politischen Gründen inhaftiert wurden.

Azattyq: Wie fühlt es sich an, als eine von zehn Frauen weltweit mit dem International Women of Courage Award dieses Jahr ausgezeichnet zu werden?

Umarowa: Für mich war das ein Schock. Ich kann selbst nicht über mich sagen, dass ich die Mutigste bin. Für den Preis kommen Frauen zusammen, die mit unterschiedlichsten Problemen zu kämpfen haben. Somit war es sehr schön, dass gerade ich ausgewählt wurde. Die letzten Jahre habe ich tatsächlich viel durchlebt. In einem Wort – danke für das Vertrauen!

Azattyq: Was bedeutet die Auszeichnung für Sie?

Umarowa: Es ist eine Anerkennung meiner Arbeit, eine Anerkennung dessen, wonach ich strebe. Die Probleme, mit denen ich mich beschäftige, sind nicht leicht und Menschen haben diese Arbeit wertgeschätzt. Auch freut es mich zu wissen, dass ich nicht die Einzige bin, sondern dass es weitere Frauen gibt, die sich genauso bemühen. Und es ist schön zu wissen, dass es Menschen gibt, die dies wertschätzen können.

Azattyq: Worauf würden Sie im Zusammenhang mit der Menschenrechtslage in Kasachstan und der Situation, in der sich kasachische Menschenrechtler befinden, gern die Aufmerksamkeit der Weltgemeinschaft lenken?

Umarowa: Zunächst würde ich gern den Fokus auf die Rechtslage von Frauen in Kasachstan lenken. Die Basis aller Probleme bei uns liegt im Ungleichgewicht der Geschlechter. Eines der größten Probleme in Kasachstan ist die Art, wie sich die Gesellschaft zu Gewalt verhält. Über all diese Jahre hinweg haben wir beständig gezeigt, dass jegliche Art von Gewalt eine Straftat darstellt. Gewalt kann in keinem Fall toleriert werden, verstehen Sie? Dennoch gibt es auch diejenigen, die (zum Opfer) sagen: „Selbst schuld!“

Azattyq: Was bedeutet die Tatsache, dass die Jury in diesem Jahr die Aufmerksamkeit auf Nominierte aus Kasachstan gelenkt hat?

Umarowa: Ich denke, dass alle dem Kampf mit der Gewalt in Kasachstan Aufmerksamkeit schenkten. Die Frage ist nicht, aus welchen Ländern die Laureaten kommen, sondern, wie auffällig in diesen Ländern Menschen für ihre Rechte kämpfen.

Azattyq: Wie wählen Sie Rechtssachen aus, mit denen Sie sich beschäftigen?

Umarowa: Der größte Teil meiner Klienten sind Frauen, die zu „gefährdeten Gruppen“ gehören. Alle ihrer Fälle zählen zur Kategorie „schwierig“. Dies ist dann der Fall, wenn in einer Rechtssache schwierig ist, Beweise vorzubringen. Bei der Auseinandersetzung mit dem Fall zeige ich der Gesellschaft die Existenz globaler Probleme. Ein Beispiel ist der Fall von Zhibek Musinovoy. Alle sagten mir: „Das ist doch nur eine gewöhnliche Vergewaltigung.“ Nein, dies war ein ungewöhnlicher Fall, denn zum ersten Mal sprach eine kasachische Frau offen über ihre Vergewaltigung.

Außerdem gibt es Fälle mit denen ich mich beschäftige, bei denen ich gegen das System kämpfen muss. Ich ziehe grundsätzlich die Aufnahme von Fällen vor, bei denen ich durch den juristischen Beistand gegenüber einer Person, letztlich auch der Gesellschaft helfen kann. Man enthüllt all diese problematischen Aspekte in der Gesellschaft. Wenn all das Genannte zutrifft, dann ist die Frage des Honorars für mich nicht so wichtig. Je verwundbarer eine Person ist, desto grösser ist die Chance, dass ich den Fall aufnehme.

Azattyq: Was planen Sie weiterhin zu tun?

Umarowa: Ich möchte ein eigenes Rechtsinstitut gründen, wo ich Trainings für junge Anwälte und Juristen organisieren kann, die eine ähnliche Rolle wie ich einnehmen könnten und für die Rechte gefährdeter Gruppen kämpfen. Damit niemand vergessen wird!

Azattyq: Danke für das Interview.

Aus dem Russischen von Lydia Wachs

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