Internet in Zentralasien: Kabelverlegung unter dem Kaspischen Meer

Das Vorhaben, zwei Glasfaserleitungen zwischen Aserbaidschan, Kasachstan und Turkmenistan zu legen hat offiziell begonnen. Die neuen Kabel werden die Abhängigkeit Zentralasiens vom russischen Netz verringern.

Der Ausbau der Internetleitungen ist für Zentralasien von zentraler Bedeutung. Am 17. Januar kündigte die aserbaidschanische Nachrichtenagentur Trend an, dass die Arbeiten der Glasfaserkabelverlegung unter dem Kaspischen Meer begonnen haben. Den im März und November 2019 geschlossenen Abkommen zufolge werden die Leitungen Aserbaidschan sowohl mit dem kasachstanischen, als auch dem turkmenischen Festland verbinden.

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Von beiden Leitungen ist die Kabelverlegung zwischen Aserbaidschan und Kasachstan am weitesten fortgeschritten. Die 400 Kilometer spannende Verlegung soll zwischen 2021 und 2022 abgeschlossen sein und eine Geschwindigkeit zwischen vier und sechs Terabyte erreichen, so die Nachrichtenagentur Trend. Die Arbeiten wurden im vergangenen November begonnen. Die Verbindung nach Turkmenistan spannt 300 Kilometer und soll zwischen zwei und drei Terabyte erreichen. Hierfür wurde noch kein Termin für den Abschluss der Arbeiten bekannt gegeben. Beide Projekte werden vom staatlichen aserbaidschanischen Betreiber AzerTelecom durchgeführt.

Einzig Russland stellte bislang das Internet für Zentralasien bereit

Mit Abschluss der Kabelverlegung stehen Zentralasien zwei neue Trassen zur Verfügung. Bisher konnte in der Region nur über die seit 2005 bestehenden und zwischen Europa und China verlaufenden Kabel des Netzwerks Transit Europe-Asia (TEA) auf das Internet zugegriffen werden. Zentralasien wurde hieran über russische Kabel angebunden und befand sich somit in einem Abhängigkeitsverhältnis. Mit einem Abschalten der Leitungen wäre Zentralasien vom Internet abgeschnitten.

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Heutzutage dient das Internet Staaten als Rückgrat ihrer Kommunikationswege. Vor dem Hintergrund technischer Möglichkeiten zum Ausspähen von Daten trägt jede Kabelverlegung unvermeidlich eine (geo-)politische Komponente.

Die Rolle der kaspischen Seegrenzen

Die beiden aserbaidschanischen Kabelverlegungen sind erst durch das Abkommen über die kaspischen Seegrenzen möglich geworden. Im August 2018 einigten sich die Anrainerstaaten des Kaspischen Meeres (Iran, Aserbaidschan, Russland, Kasachstan und Turkmenistan) nach jahrelangen Querelen auf ein Abkommen, dass ihre Hoheitsgebiete absteckt. Das Abkommen sieht vor, dass sich die Anrainer zwar die Meeresoberfläche teilen, der Meeresgrund jedoch entsprechenden Gebietshoheiten unterliegt. Somit unterliegen die anstehenden Verlegungen der Glasfaserkabel jenem rechtlichen Rahmen, der den Anrainer entsprechende Autonomie gewährt.

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Vor dem Abkommen über die Gebietshoheiten wäre der Ausbau der Netzinfrastruktur nicht möglich gewesen, ohne dass ein Drittstaat intervenieren würde. Die Glasfaserverlegungen sind eine der ersten Anwendungsbereiche für den neuen Status des Kaspischen Meeres, dessen Vereinbarung in den letzten Jahren eine wichtige Entwicklung für die Region war.

Etienne Combier
Chefredakteur für Novastan France

Aus dem Französischen von Robin Shakibaie

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Unter dem Kaspischen Meer werden zwei neue Glasfaserleitungen verlegt
Alexander Gerst via Visual Hunt
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