Artischok Theater Almaty Kasachstan

Zentralasien 2030: Unabhängige Theaterkunst in Almaty

Wie steht es um die Kultur und das Theater in Zentralasien? Nurdamir Kulatov und Keremet Musaeva haben die Leiterin des unabhängigen Theaters „Artischok“ (Rus. für „Kunst und Schock“, Anm. d. Red.) getroffen. Folgender Beitrag entstand im Rahmen des internationalen Workshops „Zentralasien 2030„.

Kultur wird oft vom Staat vernachlässigt. Vielen Menschen in Almaty meinen aber, dass Kultur und insbesondere das Theater eine wichtige Rolle spielen sollte:

Wir sollen oft das Theater besuchen, weil es hilft, sich geistig zu entwickeln. Und das ist sehr wichtig.

Ich finde,dass die Kultur bei Leuten das Interesse für das Leben entwickelt.

Natürlich ist es sehr wichtig, aber nur sehr wenige Leute gehen ins Theater, weil ihre finanzielle Situation so schwer ist. Ein Hausmeister kann zum Beispiel nie ein Theater besuchen, weil er sehr wenig verdient. Er muss seine Miete, Wasser und Strom bezahlen und Lebensmittel kaufen. Wenn er ein gutes Gehalt bekommen würde, könnte er auch ins Theater gehen.

Unabhängige Theaterkunst

In Zentralasien gibt es nicht nur große Staatstheater, sondern auch kleine unabhängige Theater. Sie leisten einen wichtigen Beitrag zur Kultur ihres Landes.

So zum Beispiel das unabhängige Theater Artischok in Almaty. Es existiert schon seit 16 Jahren, wie die Geschäftsführerin Anastasia Tarasowa erzählt:

Es ist ein unabhängiger, experimenteller Ort. Das Ziel unserer Aufführungen ist einfach: Wir möchten, dass die Menschen einen Ort, wie das Theater, schätzen lernen. Das heisst, wir müssen Stücke machen, die heiße Themen ansprechen und unseren Schmerz und Freude mit ihnen teilen. Dann werden sie mit ihrem Herzen antworten. Wir wollen, dass das Publikum versteht, worüber wir sprechen.

Theater kommt aus der Kindheit

Für Tarasowa ist das Theater einer der wichtigsten kulturellen Bereiche:

Theater kommt aus der frühen Kindheit. Als wir Kinder waren, spielten wir verschiedene Rollen und Situationen, Wut oder Schmerzen. Das schützt uns, weil wir durch das Spiel Kriege verlieren, Hochzeiten feiern oder den Tod erleben. So erlangen wir einige Lebenserfahrungen. Theater erhält dieses Prinzip im Leben von Erwachsenen. Wir erleben fremde Situationen wie in der Kindheit.

Aber es ist nicht einfach, ein Publikum zu gewinnen und die Popularität eines kleinen Theaters zu erhöhen.

Wir existieren aufgrund der  großen Liebe zu diesem Beruf, aber die Schauspieler und Arbeiter müssen auch Geld kriegen. Sie brauchen Sicherheit und Stabilität. Leider bekommen wir von keiner Seite Unterstützung, auch nicht vom Staat. Unser Theater braucht auch die Hilfe von Medien, denn wir müssen unsere Kunst auch bewerben und verkaufen“, so Tarassowa

Wir stehen in Kontakt mit unseren Kollegen aus Nachbarländern. Wenn ausländische Kulturorganisationen etwas über Kultur in Kasachstan erfahren wollen, sind wir immer bereit mit ihnen zusammenzuarbeiten.

Nurdamir Kuvatov und Keremet Musaeva
Zentralasien 2030

Eingang des Theaters „Artischok“ in Almaty
Artischok
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