Bischkek, Behinderung, Betteln, Invalide

Betrügerische Bettler in Bischkek

Die Bewohner von Bischkek treffen auf den Straßen ihrer Stadt oft auf Bettler. Unter ihnen gibt es Invaliden, Obdachlose und Leute, die Geld für medizinische Behandlungen sammeln. Aber es gibt auch organisierte Banden, die durch Betteln viel Geld verdienen. Wie gehen sie dabei vor und wie viel nehmen sie ein?

Der Artikel entstand im Rahmen der Partnerschaft von Novastan mit dem Goethe Gymnasium (Schule N°23) in Bischkek.

Für diese Menschen ist Betteln wie eine normale Arbeit. Den ganzen Tag, von morgens bis abends, in der Hitze und in der Kälte sind die draußen und verdienen keine kleine Summe. Natürlich sagen sie nicht, wie viel Geld genau. Aber sie verdienen mehr als ortsansässige Taxifahrer. An einem Ort können sich ein paar Bettler befinden.

Bischkek, Behinderung, Betteln, Invalide

Aber neben den Menschen, die auf der Straße sitzen, weil sie keine andere Wahl und vielleicht kein zu Hause haben, gibt es auch professionelle Betrüger. Sie geben sich als behindert aus oder setzen sich mit kleinen Kindern auf die Straße, um Mitleid zu erregen. Dadurch verdienen sie viel Geld, müssen aber auch einen Teil davon an den Chef der Bande abgeben, erfährt man in einem Bericht des Fernsehsenders Nastojascheje Wremja. Diejenigen, die spenden, wissen nicht, dass es Betrüger sind.

Nimmt die Polizei solche Menschen fest?
Wir behandeln das normal, weil sie auch Menschen sind. Sie müssen irgendwie ihren Lebensunterhalt verdienen“, sagt Emir Ibraimowitsch (Vor- und Nachname geändert), ein 37-jähriger Polizist.

Ja, natürlich, die Leute, die einfach auf der Straße stehen, stören gar nicht. Aber einige von ihnen stehen direkt auf der Autostraße und stören den Verkehr. „Wir halten solche Menschen an und stellen ihre Personalien fest“, antwortet Ibraimowitsch.

Warum schlafen die Kinder immer?
Es gibt Frauen, die mit Kindern stehen, um Mitleid zu erregen, und vorher geben sie ihnen Schlafmittel, um sie ihrer Mutter nicht zu stören. Eine 26-jährige Frau war bereit, darüber mit einem Reporter der Website Turmush zu sprechen. „Wir leben ärmlich. Unsere Familie ist arm. Und deshalb müssen wir betteln und unsere Kinder auf dem Arm halten. Manchmal, während des Bettelns, gebe ich ihm ein Schlafmittel, damit er sich nicht quält und gemütlich schlafen kann. Viele Frauen machen das so, aber sie verheimlichen diese Tatsache.

Natürlich müssen die Polizisten das beachten, weil es illegal ist. „Wir stellen die Personalien solcher Frauen auch fest, weil sie kleine Kinder mitnehmen. Und es ist nicht klar, wie sie die Kinder ernähren und unter welchen Bedingungen sie leben. Es kann zu schrecklichen Folgen führen“, sagt Bektur Ismailovitsch (Vor- und Nachname geändert), ein 41-jähriger Polizist.

Ismailowitsch sagt, dass das Gesetz in Kirgistan nicht so streng ist wie in anderen Ländern. Deswegen ist es schwierig, Eltern das Sorgerecht für ihre Kinder zu entziehen.

Wie verhalten sich Leute gegenüber Bettlern?
In einer Minute jeden Bettlern durchschnittlich gibt ein Mensch Geld. Das haben wir selbst berechnet. Viele Menschen geben Bettlern aus Mitleid Geld. „Ich gebe ihnen selten Geld. Ich gebe etwa 10 Som und nur alten Frauen und Männern, die Geld zur Behandlung sammeln. Ich denke, dass sie wirklich unsere Hilfe brauchen, im Unterschied zu z.B. einem gewöhnlichen Mann, der einfach mit der Schachtel daneben sitzt. Ich weiß natürlich nicht, wozu er das Geld verbraucht. Vielleicht kauft er einen Wodka dazu“, sagt ein Mensch, der einverstanden war, uns ein Interview gewähren.

In Bischkek kann man oft solche Bettler treffen. Ihnen Geld geben oder nicht, das musss jeder selbst entscheiden. Aber muss man immer daran denken, dass sie durch Betteln mehr verdienen als einige richtige Arbeiter.

Kanymjan Balgarbekova, Uulzada Bajuzbekova, Medina k. Urmatbek

Schülerinnen der Schule N°23 (Goethe Gymnasium) in Bischkek

Der Text ist aus einer Zusammenarbeit zwischen Novastan e. V. und dem Goethe Gymnasium im Jahr 2017 entstanden. Die Redakteurin Janina Lackmann besuchte einmal pro Woche den Unterricht und erarbeitete mit den SchülerInnen journalistische Artikel.

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Ein Rollstuhlfahrer bittet auf einer Straße in Bischkek um Geld.
Ben Almeras / photo on flickr
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