Sooronbaj Dscheenbekow und Xi Xinping

China vor Russland wichtigster Handelspartner für Kirgistan

Im Jahr 2017 schloss Kirgistan 29 Prozent seines Handels mit China ab, das erstmals vor Russland zu seinem größten Handelspartner wird.

Laut dem kirgisischen Onlinemagazin Tazabek erklärte Kirgistans Wirtschaftsminister Oleg Pankratow am 7. Juni, im Jahr 2017 habe das Handelsvolumen zwischen China und Kirgistan 1,5 Milliarden US-Dollar betragen. Somit ist Beijing nun offiziell der größte Handelspartner Kirgistans. Ein Artikel der Nachrichtenagentur Kabar berichtet, dass das kirgisische Außenhandelsvolumen 2017 die 6-Milliarden-Dollar-Marke überschritten hat.

Nach Statistiken des amerikanischen Informationsdienstes Stratfor betrug der Handel mit China 2017 29 Prozent des kirgisischen Außenhandels. Russland steht mit  18 Prozent (also eine Milliarde Dollar) an zweiter Stelle, gegen 21,3 Prozent im Vorjahr.

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Diese Mitteilung folgte auf den ersten offiziellen Besuch des kirgisischen Präsidenten Sooronbaj Dscheenbekow in Beijing, kurz vor dem jährlichen Gipfeltreffen der Staatsoberhäupter der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SOZ) am 9. und 10. Juni in der chinesischen Hafenstadt Qingdao.

Russland zum ersten mal entthront

Die Nachricht markiert einen wirtschaftlichen Wendepunkt für die ehemalige Sowjetrepublik. Seit Langem als russische Domäne betrachtet, nähert sich Zentralasien immer mehr der chinesischen Wirtschaftsstrategie rund um das Projekt der Neuen Seidenstraße an.

Russland hat mittels verschiedener Plattformen wie der , der Organisation des vertrags über kollektive Sicherheit  oder mit der Eurasischen Wirtschaftsunion lange versucht, die zentralasiatischen Länder in seinem Einflussbereich zu halten.

Die chinesischen Investitionsvorschläge in Kirgistan können jedoch die Tendenz der zentralasiatischen Länder zum neuen Wirtschaftsriesen nur bestätigen – entgegen der russischen Ambitionen. Laut einem kürzlichen Artikel der Qazaq Times hat China ein Darlehen von mehr als 70 Millionen Dollar an Kirgistan gezahlt, um das Straßennetz der Hauptstadt Bischkek zu entwickeln.

Ein historischer Höhepunkt

Xihuanet berichtet, dass China und Kirgistan ebenfalls eine umfassende strategische Partnerschaft vereinbart haben, im Rahmen derer mehrere bilaterale Abkommen unterzeichnet wurden. AKIpress erwähnt zum Beispiel, dass die beiden Länder über die Produktion von Elektroautos in Kirgistan verhandeln.

Xihuanet berichtet weiter, dass China sich verpflichten würde, in den Finanzsektor, die Industrie und den Austausch zwischen den beiden Ländern zu investieren. „Kirgistan möchte seine Entwicklungsstrategie mit der von China in Einklang bringen, gegenseitige Investitionen fördern, die Zusammenarbeit bei Verarbeitungsdienstleistungen, Landwirtschaft, neuer Energie, Transport und Gesundheitsversorgung beschleunigen sowie den kulturellen Austausch erleichtern“, sagte der kirgisische Präsident am 6. Juni dem chinesischen Nachrichtenservice CGTN.

Dscheenbekow versichert, dass sich die Beziehungen zwischen den beiden Ländern auf dem höchsten Niveau ihrer gemeinsamen Geschichte befinden, trotz der Verhaftung des ehemaligen Premierministers Sapar Isakow, der wegen Korruption und Lobbyarbeit zugunsten einer chinesischen Firma im Fall von Renovierungsarbeiten des zentralen Heizwerks in Bischkek angeklagt wurde.

Ein unausgewogener Bericht?

Von den 1,5 Milliarden US-Dollar Handelsaustausch zwischen Kirgistan und China bestehen aber nur zu 100 Millionen aus kirgisischem Export, so Tazabek. Dies zeigt die kolossale Unausgewogenheit des Handels zwischen den beiden Ländern. Laut dem kirgisischen Wirtschaftsminister Pankratovs habe sich die chinesischen Regierung aber verpflichtet, weitere Anstrengungen zu unternehmen, um solche Verzerrungen in den bilateralen Beziehungen zu vermeiden.

Mit der Umsetzung der Neuen Seidenstraße und dem Wachstum des eurasischen Handels hätten die Länder Zentralasiens, einschließlich Kirgistans, viel zu gewinnen. Die Angst vor der chinesischen Markthegemonie und dem wirtschaftlichen Kolonialismus bleibt dennoch bestehen. Auf ähnliche Weise verfolgen die zentralasiatischen Länder trotz diplomatischem Schweigen aufmerksam die repressiven Aktionen der chinesischen Behörden in der Provinz Xinjiang, da ihnen die uigurische Bevölkerung historisch, sprachlich und kulturell sehr nahesteht. Mit den neuen Korruptionsskandalen zugunsten chinesischer Unternehmen könnten all diese Zusammenhänge mittelfristig sinophobe Ressentiments in der Region fördern.

Karl Haddad
Redakteur bei Novastan

Aus dem Französischen von Elisabeth Rudolph

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Die Präsidenten Sooronbaj Dscheenbekow und Xi Xinping
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