Asis Muradalijew

Ein Gespräch mit Asis Muradillajew, Star des kirgisischen Kinos

Asis Muradillajew spielte die männliche Hauptrolle im historischen Blockbuster „Kurmandschan Datka“. Er gehört zu den bekanntesten Schauspielern Kirgistans und verkörpert aktuell beim kirgisischen Nationaltheater die Rolle von Hamlet. Ein Gespräch über seine Arbeit und die Film und Theaterkunst Kirgistans.

Wie befasst sich Kurmandschan Datka mit den interethnischen Beziehungen in Kirgistan?

Der Film Kurmandschan Datka (hier mit russischen Untertiteln zu sehen) bezieht sich auf den Patriotismus und die Freundschaft – zwei Werte, die uns heutzutage leider sehr fern sind. Die Freundschaft zwischen den Gruppen, die das kirgisische Volk ausmachen, hat uns in letzter Zeit eher gefehlt. Es war nötig, sie wieder in den Vordergrund zu stellen, und ich denke, dass der Film sich für diese Werte einsetzt. Kunst wirkt positiv auf das Volk und besonders auf die Jugend. Es ist schwer, finanzielle Mittel für Produktionen dieser Größe zu finden, aber ich hoffe dennoch, dass in Zukunft mehr Filme wie Kurmandschan Datka gedreht werden können. Das ist ein Werk, das anregt und Selbstvertrauen bringt.

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In der Sowjetunion wurden Filme dieser Art „kirgisische Wunder“ genannt. Sie wurden vom Staat finanziert. Heute genießt die Kultur, darunter auch das Kino, nur wenig Aufmerksamkeit. Autoren und Historiker haben unterschiedliche Blicke auf solche Projekte: Die ersten schätzen vor allem den künstlerischen Wert des Films und die zweiten die Darstellung von historischen Fakten.

Wie kam es dazu, dass sie für die Rolle des Alymbek Datka ausgewählt wurden?

Anfangs hatte ich keine Ahnung vom Projekt. Ich bin noch nicht einmal zum Casting gegangen. Die vielen Kandidaten für diese Rolle mussten an den Drehorten vorspielen. Ich ging davon aus, dass ich Alymbek Datka auf keinen Fall darstellen konnte, da ich nicht seine mongolischen Züge habe. Ich dachte, er sieht mir nicht besonders ähnlich.

Kourmanjan Datka Aziz Muradialaev

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Am letzten Tag des Castings war ich mit Freuden in Osch (die zweitgrösste Stadt des Landes, Anm. d. Red.), und wir saßen in einem Café in der Nähe der Atysch-Filmstudios. Ich wartete in der Nähe, während sie zum Casting gingen. Als der Produzent mich während seiner Zigarettenpause sah, sprach er mich sofort an: Ich müsse unbedingt vorspielen. Ich war ein bisschen verlegen und antwortete, dass ich für die Rolle nicht gemacht sei, dass ich mit meinem Gesicht höchstens die Rolle des Dieners von Khokander Khanat spielen könnte. Am nächsten Tag wurde ich dennoch zum Casting gerufen. Wir haben eine kurze Szene gedreht. Am Abend riefen sie mich an und sagten, ich hätte die Rolle.

Wie sehen Sie ihre Schauspielerkarriere? Würden Sie gerne im Ausland drehen?

Ich träume davon. Dort gibt es ganz andere Produzenten, andere Schauspieler und andere Honorare. Es ist immer interessant, seine Arbeit zu lieben, aber wenn man gut davon leben kann, ist es noch besser. Bei uns im Land ist es im Moment in Mode, ein Patriot zu sein. Ein höherer Beamter sprach einmal einen Freund auf seine gut geleistete Arbeit an: „Sei ein Patriot, arbeite umsonst für den Ruhm des Vaterlandes“. Mein Freund antwortete: „Ich bin ein größerer Patriot als die meisten, wahrscheinlich auch als Sie selbst. Aber ich habe Kinder zuhause die ernährt werden müssen.“

Sie haben verschiedene Rollen gespielt. Haben Sie von all diesen Figuren etwas verinnerlicht?

Ich nehme nichts von meinen Charakteren. Eher gebe ich ihnen einen Teil von mir selbst. Jeder Schauspieler ist ein Verteidiger seiner Rolle.

Sie arbeiten im Moment vor allem als Theaterschauspieler. Was bedeutet für Sie der Begriff „Theater“?

In Europa ist das Theater eine elitäre Institution. Es ist eine lebende Kommunikation. Hier arbeiten die Theaterleute hart: Sie studieren, proben, investieren selbst in ihre Kostüme und den Dekor, sie verbrauchen ihre Zeit und ihre Energie. Alles wird dem Publikum vorgekaut. Selbst in der schwärzesten Komödie wird hier Mitgefühl gezeigt. Ich denke, dass ist ein Fehler.

Zur Sowjetzeit sollten die Leute im Theater sagen: „Es gibt keinen Gott“. Heute ist Gott viel zu präsent. Die Probleme des Extremismus und der religiösen Bewegungen verbreiten sich. Religion birgt viel Kraft, die manche ausnutzen, um ihre eigenen Interessen zu befriedigen. Das ist ein Thema, über das man einTheaterstück schreiben könnte. Ein solchen Stück würden wir mit viel Freude spielen, es ist mir aber keines bekannt. So ist unsere Arbeit.

Sehen Sie viel Ähnlichkeiten zwischen Theater und Showbusiness?

Das Theater unterscheidet sich vom Showbusiness. Bei uns wird jede Frage ernsthaft vom einem künstlerischen Komitee besprochen: Zehn bis zwölf Menschen mit einem Kunstdiplom beobachten, was passiert und was auf der Bühne dargestellt werden sollte. Sie bringen Korrekturen, wir fügen der Inszenierung etwas zu, nehmen anderes weg. Schließlich wird das Stück vom Ministerium für Kultur und Bildung geprüft. Das Publikum sieht das Stück erst nach ihrer Zustimmung.

„Du bist zeitlebens für das verantwortlich, was du dir vertraut gemacht hast“, sagte Antoine de St Exupéry. Wir haben unser Publikum und tun unser Bestes, um es zufrieden zu stellen. Aber wir können ihm schlecht sagen, dass der Ort nicht passt oder dass uns ein Accessoire fehlt. Wir versuchen, solcherlei Rahmenbedingungen zu überspielen .

Was sind Ihre Zukunftspläne?

Im Moment kann ich das nicht sagen. Das wird von den Gelegenheiten abhängen, die sich mir bieten. Ich bin glücklich, meine Familie, meine nahen Freunde sind in meiner Nähe und ich mag meinen Beruf. Materieller Besitz kommt und geht.

Noch ein Wort für Ihre Fans?

Ich mag sie sehr. Wie könnte ich nicht die mögen, die meine Arbeit schätzen! Das mag etwas banal klingen, aber ich wünsche ihnen Friede, Gesundheit und dass sie in ihrem Leben gute Entscheidungen treffen mögen.

Mit Asis Muradillajew sprachen
Kamila Suyunbaeva und Umutai Karimova
Journalisten für Novastan.org in Bischkek

Aus dem Französischen übersetzt von Florian Coppenrath

Asis Muradalijew
Romain Colas
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