Filmarchiv

In Bischkek: „Das Archiv ist die letzte Instanz der Wahrheit“

In Kirgisistan scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Probleme werden erst spät oder gar nicht gelöst. Seit mehreren Jahren bittet das Zentrale Staatsarchiv für Audiovisuelle Dokumente die Regierung bereits um finanzielle Unterstützung für die Anschaffung von Geräten zur Digitalisierung seiner Dokumente sowie um die Bereitstellung eigener, separater Räumlichkeiten.

Das Filmarchiv ist der Ort, an dem die wertvollsten audiovisuellen Denkmäler der Geschichte und Kultur gespeichert werden sollten. Doch der Erhalt dieser audiovisuellen Dokumente ist gefährdet. Novastan hat sich mit dem Direktor des Zentralen Staatsarchivs für Audiovisuelle Dokumente, B. H. Amankanovoy, getroffen und ihn dazu befragt.

Herr Amankanovoy: Wie lange schlagen Sie bereits Alarm, dass Ihre Archive digitalisiert werden müssen?

Seit der Einführung der Digitaltechnik. Früher dachten wir, dass besonders seltene Dokumente auf Film festgehalten werden sollten. Nachdem Filmstreifen teurer wurden, fassten wir auch die digitale Form ins Auge. Wir streben bisher leider vergeblich danach. Wir haben hier im Land eine große Zahl von Archiven. Alle haben ihre eigenen Probleme. Und es ist klar, dass es nicht möglich ist, alle Probleme auf einmal zu lösen. Daher wird an einem Programm gearbeitet, das festhalten soll, was jedes Archiv benötigt.

Was hat sich Ihrer Meinung nach über die Jahre verändert?

Nichts hat sich geändert. So besteht das Problem auch weiterhin, das und die Kosten.

Wir haben uns an die Regierung gewendet, das Parlament, aber überall hören wir, dass der Staatshaushalt dafür kein Geld hat. Und da kein Geld da ist, kann der Staat uns auch die geplante Hilfestellung nicht leisten.

Welches Problem hat ihrer Meinung nach Vorrang: Der Wechsel zur Digitalisierung oder ihre eigenen Räumlichkeiten?

Die eigenen Räumlichkeiten natürlich. Wir sollten wie alle Institutionen ein eigenes Gebäude haben. Momentan befinden wir uns im Haus des Nationalarchivs. Aber der Erhalt eines eigenen Gebäudes und die Digitalisierung können auch parallel zueinander stattfinden. Um die seltenen Filme zu retten müssen wir sie digitalisieren, so wie es in der modernen Welt getan wird.

Filmarchiv Bischkek

Trotzdem wird nicht aufgehört an der Erhaltung der Filme zu arbeiten: befeuchten, entstauben, restaurieren. Das ist jedoch nicht genug. Um eine wirkliche Erhaltung zu gewährleisten, müssen die einzigartigen Dokumente digitalisiert werden. Die frühesten stammen aus den Jahren 1923-1928. Kirgistan ist das einzige Land in Zentralasien, das noch nicht mit der Digitalisierung begonnen hat. Das Problem ist, dass dafür Ultraschall-Reinigungsgeräte, eine Filmkamera und ein großer Speicher zur Datensicherung gekauft werden müssen. Preislich liegen die Anschaffungskosten bei etwa 65 Millionen Som (etwa 900.000 Euro). Aber, wie gesagt, es gibt kein Geld und wann es kommt ist unklar.

Herr Amankanovoy, wenn sie nicht im Archiv angestellt wären, würden Sie die Erhaltung der Dokumente auch als wichtig erachten?

Das Archiv ist die letzte Instanz der Wahrheit. Daher die Aufmerksamkeit. Im Archiv befinden sich beispielsweise Aufzeichnungen zum Bau des großen Tschüikanals (eines der größten Bewässerungseinrichtungen Kirgistans. Der Kanal fließt quer durch Bischkek, anm. d. Red.). Sie können nachsehen, wer sie erbaut hat und wie sie erbaut wurden. Nicht in Worten, sondern wie im Leben, als ein historischer Moment, der visuell noch einmal von späteren Generationen erfahren werden kann. Alle Archivdokumente sind Primärquellen, auf die wir uns verlassen.

 

Djamilia Dandybayeva

Aus dem Russischen übersetzt von Martin Stein

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