Feierliche Zeremonie zur Brückeneröffnung

Konflikt im Ferganatal: Die Lage an der tadschikisch-kirgisischen Grenze beruhigt sich

Die Grenzkonflikte zwischen Tadschikistan und Kirgistan haben im Ferganatal in den letzten Monaten zu einem Wiederaufleben der Gewalt mit mehreren Toten geführt. Die Staatsführungen beider Länder bemühen sich derweil Mittel zu ergreifen, um die Situation zu beruhigen. Ein Überblick über die letzten Entwicklungen.

Nach konfliktreichen Monaten an der kirgisisch-tadschikischen Grenze, die zuletzt vier Todesopfer in der Nähe des Dorfes Owtschi-Kalatscha sowie weitere in der Enklave Woruch forderten, scheint wieder Ruhe einzukehren. Die Maßnahmen, die von beiden Staaten ergriffen wurden, scheinen zumindest für den Moment den Frieden zurückgebracht zu haben.

Auf politischer Ebene kommen die Verhandlungen voran. Das Parlament Kirgistans diskutierte am 27. September über die von der Regierung vorgelegten Informationen über den Konflikt, der sich am 15. und 16. September an der Grenze zwischen den Ortschaften Maksat im südkirgisischen Gebiet Batken und Owtschi-Kalatscha in der tadschikischen Provinz Sogd ereignet hat. Die Abgeordneten beschlossen laut einem Bericht des kirgisischen Online-Mediums 24.kg eine geheime Resolution. Warum die Entscheidung der Öffentlichkeit vorenthalten wird wurde bisher noch nicht begründet.

Das Parlament wies lediglich darauf hin, dass beschlossen wurde, die Arbeiten an der Demarkation der Grenze zu intensivieren. Die Abgeordneten hielten die Maßnahmen der Regierung für zufriedenstellend, hätten aber eine Reihe Bemerkungen abgegeben. Die Mitglieder der Demarkationskommission hätten versprochen, diese zu berücksichtigen.

Der Konflikt hat sich beruhigt

Aufgrund des Baus von Anlagen auf umstrittenem Gebiet war der Konflikt zwischen BürgerInnen beider Staaten eskaliert. Während eines Schusswechsels am 16. September wurden drei tadschikische Soldaten und ein kirgisischer Grenzpolizist getötet. Darüber hinaus wurden insgesamt circa 25 Personen verletzt. Beide Seiten beschuldigen sich gegenseitig, zuerst geschossen zu haben.

Die Außenministerien beiden Länder ließen sich daraufhin Protestnoten zukommen. EinwohnerInnen aus dem Gebiet Batken reisten nach Bischkek und forderten, die umstrittenen Gebiete als kirgisisches Staatsterritorium zu sichern. Außerdem forderten sie die Situation mit Hilfe Russlands zu stabilisieren, welches sowohl in Kirgistan als auch in Tadschikistan eine Militärbasis unterhält.

Infolge des Konflikts führten die Ministerpräsidenten Tadschikistans und Kirgistans Gespräche, in denen angekündigt wurde, dass die kirgisische Seite ihren Wachturm abreißen und die tadschikische Seite den geplanten Bau Ihres eigenen Turms aufgeben würde. Am 26. September berichtete das kirgisische Nachrichtenportal Turmush, dass der Turm am Grenzübergang Maksat tatsächlich zerstört worden sei. Es wurde jedoch darauf hingewiesen, dass dies nicht auf die Vereinbarung zurückzuführen war, sondern auf den Schaden, den der Turm durch Beschuss erlitten hatte.

„Brücke der Freundschaft“ soll beide Länder verbinden

Als symbolischer Akt wurde am 30. September eine „Brücke der Freundschaft“ zwischen beiden Staaten eröffnet. Wie das tadschikische Nachrichtenportal Asia-Plus berichtete, wurde der Bau von beiden Seiten jeweils zur Hälfte finanziert.

Die Zeremonie zur Eröffnung der Brücke zwischen dem tadschikischen Bezirk Gafurow und dem kirgisischen Bezirk Leilek wurde gemeinsam vom Gouverneur der Provinz Sogd Radschabboj Achmadsoda und dem Gouverneur des Gebiets Batken Akram Madumarow vorgenommen.

Die beiden Lokalpolitiker riefen die BürgerInnen dazu auf in guter Nachbarschaft miteinander zu leben. „Wir haben diese Brücke „Brücke der Freundschaft“ getauft. Wir hoffen, dass es keine Konflikte mehr geben wird und dass die Menschen auf beiden Seiten friedlich und in Freundschaft miteinander leben werden“, sagte Radschabboj Achmadsoda.

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Die Brücke, die sich ehemals an dieser Stelle befand, war im Oktober 2017 unter dem Gewicht eines mit 20 Tonnen Kohle beladenen Lastwagens zusammengebrochen. Der Laster war von einem kirgisischen Staatsbürger gefahren worden, aber Tadschiken zogen ihn aus dem Fluss – als ein Symbol des Zusammenhalts im Falle eines Unglücks. Die Brücke war wichtig für den Transport von Kohle aus Kirgistan sowie von Nahrungsmitteln aus Tadschikistan.

Alles in allem ist die Lage an der Grenze zwischen den beiden Staaten nach wie vor recht angespannt, da es viele umstrittene Gebiete und regelmäßig wiederkehrende Konflikte zwischen den BewohnerInnen beiden Staaten gibt. Die Nachbarstaaten scheinen jedoch trotz aller Schwierigkeiten bei der Umsetzung vor Ort weiterhin guten Willen zu zeigen.

Die Redaktion

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An der tadschikisch-kirgisischen Grenze wurde die „Brücke der Freundschaft“ eröffnet
Asia-Plus
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