Millionärin durch Yak-Zucht: Die Geschichte einer sehr erfolgreichen jungen Kirgisin

Die Landwirtin Samira Omorata erzählt im Interview mit einem Korrespondenten von Sputnik Kirgistan, wie man im Hochgebirge Geld verdient, welche Yaks es gibt und welche Methoden sie benutzt, um diese zahlreich zu verkaufen. Folgender Artikel erschien im russischen Original bei Sputnik Kirgistan, wir übersetzen ihn mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.

Als ich von Samira, Bewohnerin von At-Baschi und Eigentümerin von 400 Yaks, sowie Chefin einer Farm mit einem Millionengewinn gehört habe, kam in mir der Wunsch auf, mich mit ihr zu unterhalten. Unsere Protagonistin bekam die Farm als sie 28 Jahre alt war als Erbe des Vaters. Sie hat die Farm vergrößert und sichert vielen Verwandten einen Arbeitsplatz.

Das Interessante ist, dass Samira ausgebildete Programmiererin  ist. Allerdings, sagt sie, dass sie mittlerweile die Sprache der Yaks besser versteht als Programmiersprache. Sie verpasst keine Kurse oder Seminare über Landwirtschaft und Tierhaltung in Bischkek. Nach einem dieser Treffen haben wir Samira in die Redaktion eingeladen, um ihre Erfolgsgeschichte mit uns zu teilen.

Samira, wie wird aus einer Programmiererin eine Yak-Hirtin auf den Aksai-Hochgebirgsweiden?

Im Jahr 2008, als ich in Bischkek gearbeitet habe, hat mein Vater mich ins Dorf gerufen, um ihm zu helfen auf das Vieh aufzupassen. Wir haben sogar einen Vertrag geschlossen, damit er mich bezahlt und ich für ihn arbeite. Ich bin sein Manager geworden, wie man heute sagen würde. Mein Vater hatte Pferde, Kühe, Schafe und Land. Aber der grundlegende Fokus lag auf der Vergrößerung der Yak-Herde. Als damals die Kolchose zerfallen ist, hat mein Vater 20-25 Stück dieser Tiere als Bezahlung bekommen. Als er starb und das Vieh an mich überging, waren es schon über 120 Yaks. Als Erbin von diesem Vieh bin ich notgedrungen Landwirtin und Tierhalterin geworden.

Sie führen eine Tätigkeit aus, mit der nicht jeder Mann umgehen kann.

Gerade vor einer Woche habe ich verstanden, dass ich dafür geboren wurde, eine Tierhalterin zu werden. Ich habe im Dorf schon viele verschiedenen Arbeiten gemacht, aber bin trotzdem zum Vieh zurückgekehrt. Mein Vater hat das vielleicht vor langer Zeit verstanden.

Erzählen Sie, wie ist es Yaks zu züchten? Wie viel Geld braucht der Unterhalt eines Tieres im Jahr?

Yaks werden nicht einzeln, sondern in Herden gezählt. In einer Herde sind 50 bis 100 Yaks. Für die Herden stellen wir Hirten ein, jedem dieser Hirten zahlen wir im Monat 10.000 Som (ca. 120 Euro – Anm. d. Red.). Die Yaks werden regelmäßig geimpft und mit Medikamenten behandelt. Im Winter füttern wir sie mit Tierfutter und halten sie in Scheunen. Da unser Bauernhof an den Aksai-Hochgebirgsweiden liegt, unweit der Grenze zu China, passen wir auf, dass das Vieh nicht auf das angrenzende Gebiet läuft. Yaks, die auf diese Seite (Chinesische Seite – Anm. d. Red.) der Grenze gelangen, werden auch dort verkauft.

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Ist es schwer das Vieh auf den Hochgebirgsweiden vorm Wolf zu schützen?

Gut, wenn diese nur von Wölfen überfallen werden würden. Auch Adler können Kälber wegtragen. Wenn ein Raubtier oder ein Mensch ein Kalb raubt, bleibt ein Yak drei bis vier Tage an diesem Ort. Wenn ein Adler es mitgenommen hat, guckt es in den Himmel, gibt Laute von sich und verliert nach ein paar Stunden die Hoffnung.

Es scheint, sie haben ihre Gewohnheiten gut studiert?

Ja, in zehn Jahren habe ich darin Fortschritte gemacht. Ein Yak ist für gewöhnlich ein ruhiges Tier. Es schadet niemandem. Aber wenn es sich ungerecht behandelt fühlt, kann es beleidigt sein und sich rächen, sogar noch nach ein paar Jahren.

Einmal ist diese Geschichte passiert. Im Frühling hat sich eine Schneedecke gebildet und auf diese ist dann frischer Schnee gefallen. In dieser Zeit zerschlagen die Yaks mit ihren Köpfen die Kruste und gelangen an das Heu und Gras. Ein anderes Mal haben sie den ganzen Tag geweidet und schlugen ihren Kopf dabei blutig. Am nächsten Tag hat sie ein Hirte dahin gejagt, wo es kein Futter gibt und stark getrieben. Beleidigt, haben die Yaks ihn vom Pferd auf einen Stein gehoben und zu Tode getreten.

Es scheint, man sollte ihnen misstrauen. Wie viel wiegt das schwerste Yak?

In At-Baschi habe ich Bullen von 700 und 900 Kilogramm gesehen, ich habe solche aber nicht. Im Grunde geben Kälber, die älter als ein Jahr sind, 100 Kilogramm Fleisch. Die Kühe wiegen 130 bis300 Kilogramm, die Bullen – mehr als 300 Kilogramm.

Danach verkaufen sie das Fleisch?

Wir verkaufen keine Kilogramm. Im Grunde teilen sich einige Menschen die Yaks. Ich verkaufe einen Körper für ungefähr 45.000-50.000 Som (ca. 630 Euro – Anm. d. Red.)

Wer sind Ihre Hauptkunden?

Das erzähle ich genauer. Mein Vater hat einmal gesagt, dass man 80 Yaks verkaufen muss, wenn es Herbst geworden ist. Sie auf dem Basar dem Großhändler verkaufen – wird günstig. Also habe ich nachgedacht und nachgedacht und meinen Vater nach 81 Yaks gefragt. Er war verwundert, warum ich geradeso viele haben wollte. Ich sagte, dass ich mir was ausgedacht habe.

Eins habe ich aufgeschnitten und das Fleisch nach Bischkek gebracht. Ich habe es Freunden, Bekannten und Nachbarn angeboten. Nachdem sie es probiert habe, baten sie, ihnen das leckere Fleisch zu verkaufen. Ich habe gesagt, dass es 5-6 Yaks gibt, wer es schafft, kann es kaufen. So habe ich nicht 80, sondern ganze 100 Yaks verkauft. Und bis heute kaufen in Bischkek hauptsächlich Bekannte.

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Verkauft sich Yak-Milch?

Yaks werden fürs Fleisch gemästet, sie geben sehr wenig Milch – das höchste ist ein Liter. Es ist sehr schwer sie zu melken, deshalb verschwenden wir dafür keine Zeit.

Welche Einnahmen bringt ihre Arbeit?

Wir besitzen den landwirtschaftlichen Betrieb „Choibek“. Wir säen auf 16 Hektar Weizen, Gerste und pflanzen Kartoffeln. Wir haben mehr als eine Million Som (ca. 12.600 Euro – Anm.d. Red.) Gewinn im Jahr. Außerdem haben wir 50-60 Schafe und ungefähr 10 Pferde.

Lassen sie uns jetzt über Sie reden. Da sie in der Tierhaltung sind, bleibt vielleicht keine Zeit für häusliche Aufgaben?

So denken alle. Aber ich koche, filze Teppiche und mache alles, was Frauen machen. Und dazu noch gut.

Sie sind noch nicht verheiratet. Bei dieser Mitgift gibt es vielleicht viele Bewerber zum Ehemann?

Genug (lächelt). Aber ich habe noch niemanden getroffen, der stärker war als ich.

Und interessiert sich noch einer ihrer Brüder oder Schwestern für Tierhaltung?

Wenn die Not sie zwingt, dann können sie sich auch damit befassen. Aber jetzt leben alle sieben in Bischkek und arbeiten in ihrem Fach.

Übrigens habe ich noch eine Zwillingsschwester, aber der Unterschied zwischen uns ist wie zwischen Himmel und Erde. Sie kleidet sich modisch, ich wiederum bevorzuge gemütliche, warme Kleidung. Ich wähle auch schlichte Autos und Telefone aus. Das Touch-Telefon zum Beispiel, das jetzt alle haben, habe ich seit zwei Jahren. Meine Schwester hat es mir gegeben.

Nachdem ich von Ihnen gehört habe, habe ich Sie in sozialen Medien gesucht und bei Facebook gefunden. Wie viel Zeit verbringen sie in der virtuellen Welt?

Bekannte und Freunde sagen, dass ich die ganze Zeit auf Facebook bin. Ich wandere viel in den Bergen, reite viel auf Pferden oder fahre Schlitten. Und was macht man in diesen Momenten? Ich nehme das Telefon und unterhalte mich mit Freunden.

Sputnik Kirgistan

Aus dem Russischen von Lennart Kerl

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Eine Yak-Herde in Kirgistan
Peretz Partensky / Flickr
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