Nomaden Weltspiele Bursa Türkei

Vierte World Nomad Games auf 2021 verschoben

Aufgrund der Coronavirus-Pandemie wurden die Nomadischen Weltspiele, die im Herbst 2020 stattfinden sollten, auf 2021 verschoben. Nach drei von Kirgistan organisierten Ausgaben soll die zunehmend erfolgreiche Veranstaltung zum ersten Mal in der Türkei stattfinden.

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Aufgrund der Coronavirus-Pandemie wurde die vierte Auflage der Nomadischen Weltspiele, die im Herbst stattfinden sollte, auf 2021 verschoben. Die Veranstaltung, deren erste drei Ausgaben in Kirgistan stattfanden, soll in Bursa (Türkei) stattfinden. Laut Radio Azattyk, dem kirgisischen Zweig des amerikanischen Radio Free Europe, wurde die Verschiebung am 14. Mai offiziell von der kirgisischen Agentur für Jugend und Sport bekannt gegeben.

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Die Nomadischen Weltspiele, eine Art Olympische Steppenspiele, sind ein Wettbewerb, der den traditionellen ethnischen Sportarten der Nomaden Zentralasiens gewidmet ist. Sie wurden zum ersten Mal 2014 auf Initiative Kirgistans organisiert und waren in den nächsten beiden Ausgaben 2016 und 2018 zunehmend erfolgreich. Die kasachstanische DKNews.kz erinnert, dass die Türkei anlässlich des 6. Gipfeltreffens des Türkischen Rates im September 2018 mit der Organisation der Spiele 2020 betraut wurde.

„Die Kultur der turksprachigen Völker in der Welt bekannt machen“

Am 15. Mai bestätigte der Generalsekretär des türkischen Rates, Baghdad Amreyew, in einer von der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu übermittelten Erklärung die Verschiebung. Der 2009 ins Leben gerufene Rat, der bei der Organisation der Veranstaltung mitwirkt, bringt die Türkei, Aserbaidschan, Kasachstan, Kirgistan und Usbekistan zusammen. Der Generalsekretär des Rates bedauerte die Tatsache, dass trotz „der laufenden Vorbereitungen in der Türkei in Zusammenarbeit mit den anderen Mitgliedstaaten und dem Sekretariat des türkischen Rates die vierte Auflage der Spiele wegen der Coronavirus-Pandemie auf 2021 verschoben werden musste„.

Amreyew betonte zusätzlich noch einmal die Bedeutung dieser Spiele für die Erhaltung der nomadischen Kultur und Traditionen: „Die Spiele sind sehr nützlich, um die Welt mit der alten Kultur und den Traditionen der Turkvölker bekannt zu machen„, sagte er. Die Veranstaltung ist auch eine Gelegenheit, Athleten aus der ganzen Welt zusammenzubringen. An der letzten Ausgabe nahmen 82 Länder teil. Für Amreyew sind „die Nomadischen Weltspiele eine unglaubliche Feier der Vielfalt und des interkulturellen Dialogs. Sie unterstreichen die einzigartige Kraft des Sports, verschiedene Gemeinschaften unter einem Banner zusammenzubringen“.“

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Eine Gefährdung der Gesundheit der Athleten kommt unter den gegenwärtigen Umständen jedoch nicht in Frage. Die Entscheidung zur Verschiebung wurde daher in Absprache mit Kirgistan getroffen. Der Generalsekretär des Türkischen Rates ist „überzeugt, dass die Spiele 2021 in der Türkei in einer Weise stattfinden werden, die des gemeinsamen Erbes der turksprachigen Staaten und Völker würdig ist. Das Sekretariat des Türkischen Rates wird, wie bereits in früheren Ausgaben, seinen Beitrag zum reibungslosen Ablauf der Veranstaltung leisten„.

Kirgistan zögert, „seine“ Spiele auszuleihen

Die Organisation dieser Spiele ist für die Türkei von großer diplomatischer Bedeutung, da Kirgistan erstmals akzeptierte, dass sie außerhalb seines Territoriums stattfinden. Tatsächlich wurden die ersten drei Ausgaben alle in Tscholpon-Ata ausgerichtet, einer Stadt am Nordufer des Issyk-Kul-Sees im Osten des Landes. Für dieses kleine zentralasiatische Land ist ein solches Ereignis eine Quelle des Nationalstolzes und ein beispielloses Werbe-Schaufenster, das Zehntausende von Touristen und Hunderte von Journalisten aus der ganzen Welt anzieht. Anlässlich der dritten Ausgabe im September 2018 erklärte der kirgisische Präsident Sooronbai Dscheenbekow, dass das Ereignis „der Welt die großartige Kultur der alten Nomadenvölker und ihre Werte“ sowie die „einzigartige Schönheit“ des Landes offenbart habe.

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In diesem Zusammenhang ist es leicht zu verstehen, dass Kirgistan seit einigen Jahren zögert, die Spiele in einem Drittland abzuhalten. So wurde nach Angaben der kirgisischen Agentur 24.kg schließlich die Türkei als Gastland für die vierte Auflage unter der Bedingung ausgewählt, dass die kirgisische „Vaterschaft“ anerkannt und bewahrt werde. „Kirgistan ist an der weltweiten Förderung der Nomadischen Weltspiele in Übereinstimmung mit den Regeln, der Philosophie und den Zielen Kirgistans interessiert„, sagte der kirgisische Präsident im September 2018.

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Die Zurückhaltung Kirgisistans wurde kürzlich durch die Kontroverse um die Regeln von Kök-Börü, dem Vorzeige-Ereignis der Nomadischen Weltspiele, deutlich. Kök-Börü ist, ähnlich wie das afghanische Buskatschi, ein Spiel, bei dem zwei Mannschaften von Reitern um einen kopflosen Ziegenkadaver kämpfen, der im Tor der gegnerischen Mannschaft (dem „Kasan Tai“) platziert werden muss. Die Spielregeln wurden weitgehend von Kirgistan festgelegt, da andere Länder in der Regel keinen „Kasan Tai“ verwenden. Tatsächlich stand 2019 die Frage der Spielregeln im Mittelpunkt eines Streits zwischen Kirgistan und Kasachstan, wobei Kirgistan drohte, nicht an den Weltmeisterschaften teilzunehmen, wenn seine eigenen Regeln nicht anerkannt würden. So wird das Kök-börü-Turnier der Nomaden-Weltspiele 2021 laut 24,kg nach den Regeln des kirgisischen Verbandes ausgetragen.

Nomaden Welstpiele 2018 Finale

Zunehmend erfolgreiche Nomadische Spiele

Seit ihrer Gründung haben die Nomadischen Weltspiele ihre Popularität stark gesteigert. Im September 2014 kamen bei der ersten Ausgabe der Spiele 583 Athleten aus 19 Ländern für eine Woche zusammen. Das Programm umfasste zehn Wettbewerbe, hauptsächlich Reiterspiele, Ringkampfturniere sowie die Turniere von Togyz Kumalak und Tschükkö, zwei traditionelle kirgisische Spiele.

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Nachdem die Veranstaltung ein echter Erfolg war, wurde im September 2016 eine zweite, ehrgeizigere Ausgabe organisiert. 1.200 Personen, die 62 Nationen vertraten, nahmen an einer der 23 angebotenen Veranstaltungen teil. Die Spiele wurden von 40.000 Menschen besucht und kosteten den kirgisischen Staat schätzungsweise 320 Milliarden Som (etwa 3,9 Millionen Euro).

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Trotz der Kritik an der Finanzierung der Veranstaltung in einem Land, das mit ernsthaften sozioökonomischen Problemen zu kämpfen hat, fand im September 2018 eine dritte Auflage statt. Fast 2.000 Athleten, die 82 Nationen repräsentierten, nahmen an 37 Sportveranstaltungen teil. Kirgistan war mit 103 Medaillen, darunter 40 Goldmedaillen, ein starker Anwärter auf den Medaillen-Besten.

Quentin Couvreur
Redakteur für Novastan auf Französisch

Aus dem Französischen von Arnaud Enderlin

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Die für 2020 geplanten World Nomad Games wurden aufgrund der Coronavirus-Pandemie auf 2021 verschoben.
R. Iliasow (für World Nomad Games)
Das Kök-Börü Finale zwischen Kasachstan und Kirgistan während der World Nomad Games 2018.
Artem Kolosow (für World Nomad Games)
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Kommentare
  • Die World Nomad Games 2018 waren ein unvergessliches Erlebnis. Es ist immer wieder schön in deutschen Medien auch mal den ein oder anderen Bericht dazu zu finden. Es ist sehr schade, dass die nächsten Spiele nicht in Kirgistan stattfinden werden, wenn auch verständlich. Ich hoffe, es werden tolle Spiele, auch wenn ich selbst noch nicht sicher bin ob ich wieder teilnehmen werde.

    29 Mai 2020

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