Ferganatal

Zwei Tote bei Grenzkonflikt zwischen Tadschikistan und Kirgistan

Bei einem erneuten Konflikt zwischen Einwohnern des Grenzgebiets zwischen Batken (Kirgistan) und Isfara (Tadschikistan) wurden am 13. und 14. März zwei Personen erschossen. Weitere Einwohner wurden schwer verletzt. Somit handelt es sich um einen der gewalttätigsten und tödlichsten Grenzkonflikte der letzten Jahre.

Nach einer seit Herbst relativ ruhigen Lage sind die Spannungen zwischen den Einwohnern beiderseits der Grenze zwischen den Bezirken Batken, im Süden Kirgistans, und Isfara, im Norden Tadschikistans, am 13. März erneut entfacht. Laut dem tadschikischen Online-Medium Asia-Plus wurde ein 43-jähriger Lehrer aus dem Dorf Tschorku durch einen Schuss aus einem Jagdgewehr erschossen, der von kirgisischem Territorium aus abgegeben wurde. Nach Schusswechsel mit Bürgern Kirgistans am Nachmittag des 14. März kam auch ein 37-jähriger Mann aus Todschikon ums Leben und mehrere wurden verletzt, so die Quellen von Asia-Plus.

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Berichten zufolge wurden etwa 20 Bürger Tadschikistans durch Schüsse verwundet, davon befänden sich elf in einem schweren Zustand. Außerdem sollen 30 in Kirgistan als Geisel gehalten werden, so Asia-Plus, das sich auf Informationen des tadschikischen Grenzdienstes beruft. Auf kirgisischer Seite wird nur eine Schusswunde gemeldet.

Nervöse Bewohner und überforderte Ordnungskräfte

Nach Angaben des kirgisischen Grenzdienstes brach der Konflikt zwischen Einwohnern der Dörfer Ak-Saj (Kirgistan) und Mekhnatabad (Tadschikistan) am 13. März um 15.30 Uhr in der Nähe von Kodschogar aus, so die Nachrichtenagentur Akipress.

Etwa 200 Einwohner von Grenzdörfern in Kirgistan und Tadschikistan, darunter Leiter der Lokalbehörden, versammelten sich an der Grenze und begannen nach einem verbalen Austausch Steine aufeinander zu werfen. Die kirgisischen und tadschikischen Grenzschutzbeamten kamen vor Ort an und beendeten den Konflikt durch Luftschüsse.

Erst später, gegen 20:30 Uhr, soll sich die Lage verschärft haben. Auf kirgisischer Seite wird tadschikischen Bürgern vorgeworfen, den Hangar eines Bewohners des kirgisischen Dorfes Ortoboz niedergebrannt zu haben. Andererseits werden kirgisische Bürger beschuldigt, tadschikische Lagerhallen und eine tadschikische Fabrik in Brand gesteckt zu haben. Zu dieser Zeit habe ein Schusswechsel stattgefunden, bei dem ein Tadschike starb und etwa 20 weitere verwundet wurden. Laut kirgisischen Medienberichten wurde nur ein kirgisischer Bürger angeschossen und ins Krankenhaus in Batken gebracht. Sein Leben ist nicht in Gefahr.

Der Auslöser: Bau einer Straße auf umstrittenem Gebiet

Hintergrund dieses Gewaltanstiegs ist der Bau einer Umgehungsstraße zwischen Aksay und Tamdyk in der kirgisischen Region Batken. Nach Angaben von Asia-Plus sollen die Konflikte durch die Wiederaufnahme der Bauarbeiten in einem zwischen den beiden Ländern umstrittenen Gebiet ausgelöst worden sein.

Die Bewohner des tadschikischen Dorfes Todschikon fordern, dass der Bau der Straße gestoppt wird, bis eine Entscheidung über die Demarkierung der Grenze zwischen den Ländern getroffen wird. Vor vier Tagen sollen Kirgisen den Bau der Straße, die die tadschikische Enklave Woruch umgeht, wiederaufgenommen haben.

Ein Konflikt mit Präzedenzfällen

Nach Angaben des Bürgermeisteramtes von Isfara in Tadschikistan wurde der Konflikt durch Provokationen von kirgisischer Seite augelöst. „Zuvor hatten sich die Parteien nach mehreren Konflikten in dieser Region darauf geeinigt, keine Bauarbeiten in den umstrittenen Gebieten durchzuführen. Kirgistan hat dennoch mit dem Bau einer Straße begonnen, was zu neuen Auseinandersetzungen geführt hat“, so die Verwaltung von Isfara gegenüber Asia-Plus.

Sie [die Kirgisen, Anm. d. Red.] wollen eine Straße in der Stadt Schakak bauen und sie dann zu den Quellen des Woruch-Flusses bringen. So wollen sie die [tadchikische] Enklave Woruch von allen Seiten vollständig blockieren„, sagte Gafurdchon Dschurajew, der Bürgermeister von Todschikon auf Anfragt von Asia-Plus.

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Die Bewohner von Isfara werfen den lokalen Behörden Passivität bei den Verhandlungen mit Kirgistan über umstrittene Grenzgebiete vor. Sie sind empört darüber, dass die kirgisische Seite im Herbst den Bau einer Wasserleitung in Todschikon nicht erlaubte, obwohl diese tadschikisches Gebiet durchquerte.

Eine stabile Lage

Die kirgisischen Behörden haben den Tod zweier tadschikischer Bürger noch nicht bestätigt und berichten von drei Verletzten, darunter einer schwer, auf kirgisischer Seite. Es laufen Verhandlungen zwischen den tadschikischen und kirgisischen Innenministern bei denen laut Angaben kirgisischer Seite bereits über gemeinsame Ermittlungen zu den Ereignissen und gemeinsame Grenzpatrouillen entschieden wurde.

Am Vormittag des 15. März war die Lage an der Grenze zwischen Kirgistan und Tadschikistan relativ stabil, trotz andauernden Schusswechsels am Vortag.

Die Redaktion

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Karte des Ferganatals zwischen Kirgistan, Tadschikistan und Usbekistan
Wikimedia Commons
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