Tag der deutschen Wirtschaft

Zweiter Tag der deutschen Wirtschaft in Bischkek

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Am 14. und 15. März war eine 51-köpfige Wirtschaftsdelegation aus Deutschland zu Gast in Bischkek, um die Perspektiven der gegenseitigen Zusammenarbeit zu erläutern. Der zweite Tag der deutschen Wirtschaft, am 15. März, versammelte zudem über 230 Teilnehmer aus Deutschland und Kirgistan. Auch Novastan war dabei.

Deutschland will seine Zusammenarbeit mit Kirgistan im Bereich Erneuerbare Energien weiter ausbauen. Ziel sei es eine nachhaltige, stabile und zukunftsorientierte Marktwirtschaft in der einzigen Demokratie Zentralasiens aufzubauen zu helfen, sagte Hans-Joachim Fuchtel, CDU, Parlamentarischer Staatssekretär aus dem Entwicklungshilfeministerium (BMZ) in Bishkek.

Fuchtel Tag der deutschen Wirtschaft Hans-Joachim Fuchtel, Muchammetkaly Abulgasiev, 1. Vize-Premierminister Kirgistans und Christian Schmid, geschäftsführender Gesellschafter der Schmid Group stoßen auf gute Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und Kirgistan an. (Foto: Charlotte Dietrich)

Fuchtel war mit einer 51-köpfigen Delegation zum zweiten Tag der Deutschen Wirtschaft in die kirgisische Hauptstadt gereist.

Wirtschaftliches Potential

Energiesicherheit spielt in dem rohstoffarmen Land eine wichtige Rolle. Kirgistan verfügt über ein erhebliches Potential im Bereich der erneuerbaren Energien. Gerade Sonnenenergie und Wasserkraft bieten sich in dem Hochgebirgsland an. Dennoch sei in diesem Bereich noch viel Luft nach oben, betonte der Leiter der Deutschen Außenhandelskammer AHK in Zentralasien, Jörg Hetsch. So sind beispielsweise nur zehn Prozent der Kapazitäten im Bereich der Wasserkraft ausgeschöpft. Bis zu einer Autarkie bei der Stromerzeugung ist es daher noch ein langer Weg.

Kirgistan gehört zu einem der ärmsten Länder der Welt. Knapp ein Drittel der Bevölkerung lebte 2015 unter der staatlichen Armutsgrenze. Im Gegensatz zu den Nachbarländern Kasachstan und Usbekistan besitzt Kirgistan keinen nennenswerten Öl- und Gasvorkommen.

Die Schwäche der lokalen Wirtschaft ist auch daran ersichtlich, dass Rücküberweisungen von kirgisischen Arbeitsmigranten, die unter anderem in Russland ihr Geld verdienen, 25 Prozent des Bruttoinlandsprodukts ausmachen. Damit gehört Kirgistan zu den Ländern, die weltweit am meisten von ihren Arbeitskräften im Ausland abhängen.

32 Prozent aller Arbeitskräfte in Kirgistan arbeiten in der Landwirtschaft. Das Land produziert hochwertige Agrarprodukte. Absatzchancen gibt es vor allem in Russland und Kasachstan.

Die Infrastruktur muss allerdings weiter ausgebaut werden. So fehlt es an Kapazitäten zur Sammlung, Lagerung und Weiterverarbeitung der Produkte, nur rund zehn Prozent der Agrarerzeugnisse werden weiterverarbeitet. Auch die Kleinteiligkeit der kirgisischen Wirtschaft ist nach herkömmlichen Vorstellungen ein Hindernis.

Deutschland: Kirgistans erster europäischer Handelspartner

Kirgistan profitiert allerdings seit 2016 von der Aufhebung von Importzöllen in die EU im Rahmen der APS+ (Allgemeines EU-Zollpräferenzsystems) Vergünstigungen. Auch ein verbesserter Zugang zum Markt innerhalb der Eurasischen Wirtschaftsunion sowie die russischen Sanktionen auf europäische Lebensmittel könnten für das Land eine Chance sein.

Lest auch bei Novastan: Kirgistans Zugang zum EU-Markt bleibt vorerst ein Traum

Deutschland ist Kirgistans wichtigster Handelspartner innerhalb der Europäischen Union. Der bilaterale Handel ist mit nur knapp 100 Millionen Euro jährlich noch ausbaufähig. Schwerpunkte des diesjährigen Tages der Deutschen Wirtschaft waren neben Landwirtschaft und Lebensmitteln Erneuerbare Energien.

Tag der deutschen Wirtschaft Bischkek

Die Teilnahme einer so großen Delegation sei eine ausgestreckte Hand vonseiten Deutschlands und vor allem auch ein Bekenntnis der deutschen Unterstützung einer demokratischen Entwicklung in Kirgistan. Sie zeige auch, dass der Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) im vergangenen Jahr keine Eintagsfliege gewesen sei, sagte Fuchtel. Merkel war die erste deutsche Regierungschefin überhaupt, die in das Land gereist war.

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Deutschland unterstützt Kirgistan bei der Entwicklung sowohl in der Landwirtschaft als auch was den Ausbau von nachhaltigen Energien angeht im Rahmen seiner Entwicklungszusammenarbeit. Die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) hat seit 1992 110 Millionen Euro in Kirgistan investiert. So wird nicht nur der Aufbau von mittelständischen Unternehmen und nachhaltigen Wertschöpfungsketten unterstützt. Auch der Schutz von Biodiversität und eine frühzeitige Anpassung an den Klimawandel sollen zur nachhaltigen Wirtschaft beitragen. Ein weiterer Fokus liegt auf der Unterstützung wassersparende Anbaumethoden sowie der Effizienzsteigerung im Stromverteilungsnetz durch die Reduzierung kommerzieller und technischer Verluste durch eine veraltete Stromverteilung.

Investitionen fördern

Entwicklungszusammenarbeit macht zwar einen wichtigen Teil der deutsch-kirgisischen Wirtschaftszusammenarbeit aus. Sie stellt allerdings nur ungefähr 15 Prozent der deutschen Investitionen in Kirgistan dar. Die verbleibenden 85 Prozent der Investitionen kommen aus der Privatwirtschaft. Das Hauptziel des Tages der Deutschen Wirtschaft war daher, Unternehmen und potentielle Investoren zu verknüpfen und kirgisischen und deutschen Teilnehmern eine Plattform zu bieten, die bilateralen Wirtschaftsbeziehungen weiter auszubauen.

Als Leuchtturmbeispiel gilt der Bau einer Fabrik zur Herstellung von Solarpaneelen durch den deutschen Mittelständer Schmid Group aus Freudenstadt im Schwarzwald. „Kirgistan macht uns wirklich sehr viel Spaß“, so der Firmenchef Christian Schmid. Er betonte die hohe Motivation und Qualifikation der kirgisischen Mitarbeiter. Der Standort Kirgistan sei ausgewählt worden, weil das Vertrauen zu den Partnern hier größer als in anderen Ländern der Region gewesen sei. Aufgrund dieser Erfolgsgeschichte sei der Entschluss gefasst worden, weitere 58 Millionen Euro in die Solarzellenproduktion zu investieren.

Haupthindernisse für ein stärkeres Wachstum der Wirtschaftsbeziehungen zu Kirgistan sind eine mangelnde Infrastruktur und vor allem Korruption. Rechtssicherheit und Vertrauen in die Justiz sind aber die Voraussetzung für eine stabile Marktwirtschaft. Im Bildungsbereich kann ebenfalls noch vieles verbessert werden. Auch Schmid sieht das Thema Ausbildung und Qualifikation langfristig als Problem: „Ab einer bestimmten Größe werden wir Schwierigkeiten haben, ausgebildetes Personal zu finden“.

 Charlotte Dietrich
Novastan.org, Bischkek

Der Parlamentarische Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel (Foto: Amangeldi Jumabai)
Amangeldi Jumabai
Hans-Joachim Fuchtel, Muchammetkaly Abulgasiev, 1. Vize-Premierminister Kirgistans und Christian Schmid, geschäftsführender Gesellschafter der Schmid Group stoßen auf gute Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und Kirgistan an. (Foto: Charlotte Dietrich)
Charlotte Dietrich
Commentaires
  • Wie soll Deutschland helfen wollen? Seine Wirtschaftsvertreter sind profitorientierte Unternehmen. Windkraft und Sonnenenergie im Hochland – in Einklang mit der Natur? Kirgistan hat Wasser, Godbergbau und Landwirtschaft. Warum wird hier nicht investiert. Fuer die Vertreter der deutschen Wirtschaft scheint sich der Profit nur in diesen anvisierten Bereichen zu zeigen. Wo wird die Technik produziert – in Kirgistan? In Kirgistan waechst eine junge Generation an aktiven Menschen an Geschaeftsfeldern wie in der Elektronik, Ingeneurwesen, Medizin heran. Das ist natuerlich fuer die Deutschen ein Konkurrenzentwicklung, die ein Land unabhaengig macht. Ich lebe seit 12 Jahren in Kirgistan, komme in dieses Land seit 1995. Wenn man in dieser Zeit die Landesentwicklung in Politik, Sozialwesen Bildung und Anpassung an den neuen Zeitgeist betrachtet, hat sich sehr sehr viel getan. Deutschland brauchte etwa 25 Jahre, um aus seiner Niederlage sich zu befreien, jedoch nur mit Hilfe der US-Amerikaner, die dem Deutsche Volk dafuer ihr Diktat aufgezwungen haben. Persoenlich wuerde ich einer Aussenpolitik Kirgistans dazu raten, im Elektronik- und Medizinsegment sowie in der Landwirtschaft und im Bergbau Kooperationen einzugehen, die jedoch das « Sagen » dem kirgisischen Volk in Struktur- und Entwicklungsfragen garantiert. In Kirgistan muesste ein Dialogcenter, in Verbindung mit einer systemanalytischen Abteilung fuer Wirtschaftsentwicklung eingerichtet werden, das eine dementsprechende Entwicklung foerdert und im Ergebnis Kirgistan garantiert. Die in Deutschland praktizierten Dialogsysteme sind dafuer nicht geeignet, da diese zu sehr profitlastig ausgerichtet sind. Korruption ist auch ein Zeichen von fehlgeleiteter Beduerfniserfuellung der dadurch entstandene Neid, Habgier und Missgunst dem Volk in jeder Hinsicht schadet. Grosse Worte mit wenig Inhalt. Davon sollte sich Kirgistan distanzieren, wollen sie Ihren Weg in eine souveraene Zukunft finden. Wer suggeriert denn , dass Kirgistan Hilfe brauch – zu was denn – was kostet diese Hilfe – Abhaengigkeit? Der erste Schritt waere, genau Hinhoeren, was man nicht verstanden hat den Mut haben nachzufragen um seiner Selbst willen NACH-Fragen. Ein Recht das jedem Menschen zusteht. Mit diesen System wird Luftgeplauder schnell identifiziert. Aller Anfang ist schwer, darum der Dialog, der hilft die eigene Positionierung bewerkstelligen zu koennen. Und daraus entwickelt sich die Planung in der Zeitverwendung zu Ressourcendynamik. Den Gleichschritt lernen mit seinen Gedanken, eine Wegstrecke wird bewusster zurueckgelegt. Mich wundert es etwas, in Kirgistan gibt es eine Anzahl an Universitaeten und Einrichtungen, die sich mit diesen Themen befassen. Welche Ideologie wird damit transportiert? Das sollte etwas naeher in Augenschein genommen werden, um der kirgisischen Zukunft willen. Fremdkonditionierung, auf der ganzen Welt, von Kaderschmieden und Think-Tanks, (Denkfabriken) im Auftrag etablierter polit. und ideologischen Machthalter gefoerdert und vorangetrieben. Der Nutzen und die Souveraenitaet steht an 1. Stelle wenn es um die Belange eines Volkes geht. Es mag sein, das manch irrer Geist darueber laechelt. Aber, ein Sprichwort bleibt, ist seit jahrtausenden (Platon) gueltig: Gold regiert das geschehen, Ethik die Zeit.

    24 mars 2017
    • Ich finde dein Gelaber ziemlich komisch.

      19 mai 2017

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