Deutsch-Kasachische Gesellschaft Podiumsdiskussion

Ereignisbericht: Kasachstan in den deutschen Medien

Zarina Zinnatova, Vereinsvorsitzende des Novastan e.V., hat Anfang des Monats in Berlin an einem Treffen bei der Deutsch-Kasachischen Gesellschaft teilgenommen. Ein Bericht. 

Man hört relativ wenig über Kasachstan in den deutschen Medien. Wenn, dann wird das Land mit Autoritarismus, Korruption und Menschenrechtverletzungen verbunden. Warum passiert das und wie kann man das ändern? Darüber haben Dr. Beate Eschment, Redakteurin der Forschungszeitschrift „Zentralasien-Analysen“, der deutsche Journalist Günter Knabe, die Wirtschaftsjournalistin Dr. Birgit Wetzel und Zarina Zinnatova, Vereinsvorsitzende des Novastan e.V. am 7. Dezember diskutiert. Die Deutsch-Kasachische Gesellschaft lud zum Treffen zum Thema „Kasachstan in den deutschen Medien“ ein. Die Moderation übernahm Galina Nurtasinowa, Geschäftsführerin der Gesellschaft.

Das Treffen fand zum Anlass des 25. Jahrestag der kasachstanischen Unabhängigkeit, der am 16. Dezember gefeiert wurde, statt. Dabei galt es, auf ein Vierteljahrhundert eingenständige Entwicklung und auf dessen Spiegelung in den deutschen Medien zurückzuschauen.

Berichterstattungsmangel

Der Abend wurde mit den Worten von Niklas Luhmann eröffnet: „Was wir über unsere Gesellschaft, ja über die Welt, in der wir leben, wissen, wissen wir durch die Massenmedien“. Über Kasachstan weiß man in  Deutschland leider nur wenig. Ein Grund dafür ist, dass die deutschen Medien ganz wenig über das Land berichten. Obwohl das Land sowie die ganze zentralasiatische Region eine reiche Kultur und Geschichte haben, zeigen Journalisten kaum Interesse daran. Warum?

Dr. Beate Eschment erklärt es dadurch, dass die deutschen Medien „über fernere Länder nur im Falle von Katastrophen, politischen Umstürzen etc. berichten – die in Kasachstan glücklicherweise nicht stattgefunden haben“. Der Journalist Günter Knabe hat dieses Argument auch bestätigt: „Kasachstan ist noch ein stabiles Land. Das ist für die Medien langweilig“. Dr. Birgit Wetzel erklärte den Mangel an Berichterstattung dadurch, dass wenig direkt aus der Region berichtet wird: „Über Kasachstan wird selten berichtet, weil niemand mehr da sitzt“.

Themenanalyse

Sucht man in Deutschen Medien nach Kasachstan, findet man nur wenig, aber einige Nachrichten kommen trotzdem durch. Dr. Beate Eschment hat eine Analyse der Kasachstanberichterstattung der letzten drei Jahre in den großen, überregionalen deutschen Zeitungen und Zeitschriften durchgeführt und ist zum Ergebnis gekommen, dass über Kasachstan sowohl positiv als auch negativ berichtet wird.

Der größte Teil der positiven Nachrichten kommt aus der Wirtschaftsrubrik. Hier wird viel über den Rohstoffreichtum des Landes geschrieben. Das Thema des Ölfeldes „Kaschagan“ erlangte zum Beispiel wieder die Aufmerksamkeit von deutschen Wirtschaftsjournalisten.

 

Kaschagan

Die chinesische Initiative einer neuen Seidenstraße, „One Belt, one Road“,  ist auch ein wichtiges Thema für deutsche Medien, weil hier bilaterale Wirtschaftsbeziehungen zwischen  China und Kasachstan eine große geopolitische Bedeutung haben.

Laut Dr. Wetzel interessieren sich die Wirtschaftsjournalisten ebenfalls für den Energiebereich in der Region. Als atomwaffenfreies Land setzt sich Kasachstan für eine friedliche Nutzung von Kernenergie ein. Die weltweit erste Bank für schwach angereichertes Uran, die im Januar 2017 in Ust-Kamenogorsk in Betrieb geht, wird bestimmt auch eine Medienresonanz erzeugen.

Kasachstan wird auch im Bereich Wissen und Reisen positiv erwähnt. Der Weltraumbahnhof „Baikonur“ sorgt für internationale Berichterstattung, sobald eine Rakete am Start ist. Für Touristen wird Kasachstan als ein besonderes Reiseziel dargestellt.

Im Gegensatz dazu erscheinen zu politischen Themen meist kritische Nachrichten. Die deutschen Medien berichten über Wahlfälschungen und Menschenrechtverletzungen in Kasachstan. Auch die Nachricht über die Attentate im Sommer 2016 wurde in Deutschland verbreitet. Das verbindet Kasachstan mit dem nächsten großen Thema: Die Verbreitung des religiösen Extremismus in der Region.

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Gekauftes Image

Nichtdestotrotz legt Kasachstan viel Wert auf sein Image im Ausland. Laut der Recherche von Dr. Beate Eschment gibt Kasachstan mehr als 50 Mio. US Dollar für Öffentlichkeitsarbeit aus. Sogar ehemalige europäische Spitzenpolitiker sind bereit, Geld anzunehmen, um ein besseres Image von Kasachstan zu verbreitet. Dies kam besonders im Rahmen der „Kasachstan-Affäre“ ans Licht, ein Rückschlag für die PR-Kampagne des Landes.

Obwohl für viele deutsche Journalisten bezahlte PR-Artikel für Kasachstan ein No-Go wären, fällt in Artikeln über Kasachstan ein besonderer Tonfall und eine gewisse Wortwahl auf, so Dr. Beate Eschmend: „Es ist oft ironisch, sarkastisch und wirkt herablassend“.

Alle Referenten waren sich einig, dass Kasachstan selten und eher negativ in den deutschen Medien vorkommt. Eine solche Tendenz weist auf die allgemeine Problematik der heutigen Medien hin, die immer mehr auf den Profit ihrer Firma oder ihres Verlages orientiert sind. So streben sie nach höheren Auflagen und Einschaltquoten, wofür die Redaktionen gezielt Themen auswählen, die Aufsehen erregen.

 

Zarina Zinnatowa
Redakteurin für Novastan.org und Vorsitzende des Novastan e.V., Berlin

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