Beerdigung Trauerfeier Tadschikistan

Lautes Weinen verboten und weitere Verhaltensregeln für tadschikische Beerdigungen

Die tadschikischen Behörden greifen weiter in das Alltagsleben der Einwohner ein. Nachdem viele im Sommer eine SMS mit Erinnerungen an den neuen Dresscode im Land erhielten, wurde nun eine Broschüre zur Regulierung von Trauerfeierlichkeiten veröffentlicht. Den Bericht von Asia Plus übersetzen wir mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.

Das Tadschikische Komitee für religiöse Angelegenheiten hat zusammen mit dem Rat der muslimischen Geistlichen und dem Zentrum für Islamwissenschaften eine Anleitung zur Durchführung von Trauerfeierlichkeiten und zum Ausdruck von Beileid veröffentlicht. Das Heftchen beschreibt detaillierte Verhaltensregeln und wurde in einer Auflage von 500 000 gedruckt.

Acht detaillierte Kapitel

Das erste der acht Kapitel der Broschüre setzt die allgemeinen Regeln fest: Beerdigungen und Trauerfeiern sollen nach der in Tadschikistan offiziellen hanafitischen Rechtsschule durchgeführt werden, nach den lokalen Traditionen der Minderheiten und der geltenden Gesetzgebung.

Zweitens wird definiert, was „Trauerzeremonien“ beinhalten. So beschreibt die Broschüre zum Beispiel, wann das Totengebet „Dschanosa“ für den Verstorbenen verlesen wird. Die Zeit richtet sich nach dem genauen Todeszeitpunkt im Verhältnis zu den fünf muslimischen Gebeten.

Die Verwandten bezahlen die Totengräber in Anwesenheit bevollmächtigter Staatsvertreter.

Im dritten Kapitel wird beschrieben, wie der Körper der verstorbenen Person für die Abschiedszeremonie vorbereitet wird, also unter anderem wie er gewaschen, ins Leichentuch gewickelt, zum Abschied ausgestellt wird.

Keine lauten Klagen

Den Regeln zufolge ist es während der Trauerzeit gestattet, zum eigenen Trost zu weinen. Laute Klagen sind jedoch ebenso verboten wie sich Erde über den Kopf zu streuen, die Haare zu raufen, am Gesicht zu kratzen oder eine Person zum Vortrauern zu engagieren.

Nachts dürfen sich ausschließlich die Kinder und engen Verwandten im Haus eines Verstorbenen aufhalten.

Die näheren Verwandten dürfen drei Tage lang trauern. Den Traditionen nach dürfen Männer in der Trauerzeit eine traditionelle Robe in dunkelblauer Farbe, einen traditionellen „Tjubetejka“-Hut und eine Schärpe als Gürtel tragen. Die Robe ist jedoch keine Pflicht und die Schärpe kann auch einfach um ein Hemd gebunden sein.

Frauen dürfen in der Trauerzeit ein großes dunkelblaues Kopftuch aus Gaze tragen, ein weites Kleid, blaue Hosen und sich ein Tuch umbinden. Den Volkstraditionen nach ist es verboten, in der Trauerzeit schwarz zu tragen.

In der Trauerzeit dürfen die Eltern, Kinder, Ehegatten, Schwieger- und Enkelkinder im Haus der verstorbenen Person übernachten. Sollten letztere fehlen, gilt das auch für die Tanten und Onkel.

Neue Rituale verboten

In den folgenden Kapiteln der Broschüre wird sehr detailliert dargelegt, wie die Leiche ins Leichentuch eingewickelt werden soll, wie das Grab vorbereitet werden und wie das Begräbnis ablaufen soll. Der Regelung nach muss das Totengebet von einem offiziell anerkannten Imam durchgeführt werden. Mikrophone sind bei Beerdigungen nicht gestattet.

Nach der  Beerdigung wird es nicht empfohlen, allzu lange im Haus des Verstorbenen zu bleiben, um Mitgefühl auszudrücken.

Bei allen Trauer- und Beerdigungszeremonien ist es verboten, Vieh zu schlachten und Essen anzubieten. Das gilt auch für die Zeremonien, die drei Tage, vierzig Tage und ein Jahr nach dem Todesdatum üblich sind. Alle anderen Zeremonien gelten als Neueinführungen und dürfen nicht befolgt werden.

Die Redaktion von Asia Plus

Aus dem Russischen von Florian Coppenrath

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Auf einer tadschikischen Beerdigung
Asia Plus
Die neue Broschüre reglementiert dei Durchführung von Trauerfeiern in Tadschikistan
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