Turkmenistan verkauft sein Gas zu sehr niedrigen Preisen an China

China hat kürzlich seine Gasimportzahlen für die ersten 9 Monate des Jahres 2016 veröffentlicht. Diese Angaben bringen die Schwäche der Gaspreise aus Turkmenistan ans Licht, Hauptgaslieferant Chinas, und erinnern an die Abhängigkeit des Landes von Peking.

Laut der von der chinesischen Zollverwaltung veröffentlichten Zahlen sowie von der russischen Agentur TASS verbreitet, sind die chinesischen Gasimporte in den ersten 9 Monaten des Jahres 2016 im Vergleich zu 2015 um 26% gestiegen. Der Durchschnittspreis von importiertem Gas lag in diesem Jahr bei 228$ für 1000 Kubikmeter, also 100$ weniger als im vorherigen Jahr.

Ein extrem schwacher Preis des turkmenischen Gases

Der Bericht erlaubt es, einen Vergleich der Preise, zu denen die verschiedenen Partner der Volksrepublik ihr Gas verkaufen, zu ziehen. Es erweist sich somit, dass das turkmenische Gas, das 13% der Gesamtsumme darstellt, bei weitem das günstigste Gas mit einem durchschnittlichen Preis von 185$ pro 1000 Kubikmeter darstellt. Zum Vergleich: das zweitgünstigste Gas ist jenes, das Australien zu einem Preis von 220$ verkauft, und der Durchschnittspreis aller Exporteure zusammengenommen beträgt 228$.

Eine solche Zahl stellt ein echtes Problem für die ehemalige Sowjetrepublik dar, da die Wirtschaft sehr wenig diversifiziert ist. Erdgas stellt in der Tat das Hauptexportgut Turkmenistans dar und China ist sein einziger wichtiger Kunde. 2015 wurden 35 Milliarden Kubikmeter von den 48 von Turkmenistan exportierten von der Volksrepublik gekauft.

Dieser schwache Preis lässt sich auf zwei Arten erklären. Es handelt sich zunächst um ein Kompensationsmittel für Turkmenistan im Gegenzug für die Investitionen Chinas in die Infrastruktur des Landes. Aber vor allem ist es die einzige Möglichkeit für Aschgabat, seine Schulden zurückzuzahlen. Peking gewährte dem Land in den letzten Jahren zwei Darlehen: ein erstes von 8 Milliarden Dollar in 2011, und ein zweites in unbekannter Höhe im  Jahr 2013.

Der Spezialist für turkmenisches Gas von der Universität Exeter, Luca Ancenschi, erklärte in einem Interview mit Novastan anlässlich der 25-Jahrfeier des Landes am vergangenen 27. Oktober „Wenn die Gasverträge extrem undurchsichtig sind, wissen wir, dass ungefähr 25% des Gases, das durch die chinesische Pipeline transportiert wird, von Turkmenistan im Gegenzug zu in den Bau der Pipeline investiertem Geld und der Entwicklung einer Gasanlage „verschenkt“ wird. Faktisch verkaufen sie das gleiche wie in Russland, aber erhalten dafür weniger Geld. (…) Seit seiner Unabhängigkeit hatte Turkmenistan lediglich einen Kunden. Das war Russland und heute ist es China.“ Ein Kundenwechsel, der nicht erfolgreich für die turkmenische Wirtschaft gewesen zu sein scheint, da der Mangel an ausländischer Währung regelmäßig einen Mangel an Grundnahrungsmitteln (da alles importiert wird) erzeugt, wie die Oppositionsseite Chronicles of Turkmenistan feststellt.

Der Rückzug von Gazprom, ein schwerer Schlag für Turkmenistan

Die Quasi-Monopolisierung des turkmenischen Gases durch China wurde durch den schrittweisen Rückzug Russlands verstärkt, obwohl Russland bis in die 2000er hinein der einzige und wichtigste Kunde Turkmenistans war. Aschgabats Wunsch nach Unabhängigkeit von Moskau hat dem Dialog zwischen den beiden Hauptstädten seit vielen Jahren geschadet. Zu den Spannungen geführt hat auch die Unnachgiebigkeit von Turkmengaz hinsichtlich der Forderungen von Gazprom, seine Preise zu reduzieren, um sich besser auf internationalen Märkten abzustimmen. Das russische Unternehmen kaufte so das turkmenische Gas für 240$ pro 1000 Kubikmeter in 2015.

Im Januar 2016, nach Jahren der Reduzierung der russischen Importe und einem Gerichtsverfahren vor dem Schiedsgericht in Stockholm in 2015, hat Gazprom endgültig seine Verträge mit Turkmengaz gekündigt. Die Aufhebung des Austausches war ein schwerer Schlag für Turkmenistan, das laut eines Experten des Russischen Instituts für strategische Angelegenheiten, Iwan Ippolitow (zitiert von Niezavisimaya Gazeta), fast 1 Milliarde Dollar verloren hat. Gazprom hingegen hat wirtschaftlich gesehen wenig Risiko auf sich genommen, Turkmenistan stellte lediglich einen Außenseiter unter den Aktivitäten des russischen Riesen

Hin zu einer Rückkehr nach Russland?

Dennoch scheinen die aktuellen Schwierigkeiten Turkmenistan anzutreiben, eine Diversifizierung von seinen Partnern zu suchen. Die Situation begann sich im September zu entspannen, als der Vizedirektor von Gazprom, Alexander Medwedew, die Beendigung des Streits mit Turkmengaz verkündet hat.

Der turkmenische Präsident Gurbanguly Berdimuhamedow begab sich am 1. November nach Sotschi, um sich dort mit seinem russischen Amtskollegen Wladimir Putin zu treffen. Hierbei handelte es sich um das erste bilaterale Treffen in Russland seit 2011 und das Gas stand im Mittelpunkt der Diskussionen. Auch wenn der Experte Andrej Grozin unterstreicht, dass Turkmenistan heute eine „Marionette Chinas“ in diesem Sektor sei, hat Moskau kein Interesse daran, sich zurückzuziehen. Tatsächlich besitzt Russland unter anderem durch Gazprom eine dominante Stellung in Zentralasien, die durch eine Annäherung mit Turkmenistan gestärkt werden könnte.

Für Turkmenistan würde eine Wiederaufnahme der Exporte nach Russland die Abhängigkeit gegenüber China reduzieren und es dem Land somit erlauben, erneute nötige Geldeinnahmen für eine budgetäre Erholung zu bekommen. Andere Projekte werden von Aschgabat unterstützt, um das Land besser anzuschließen und sich neuen Märkten zu öffnen, wie das von TAPI, das es wieder an Indien annähert, oder die transkaspische Pipeline in Richtung Türkei und Europa, doch ihre Zukunft ist in diesem Stadium ungewiss.

Die Redaktion

Ashkabad in Turkmenistan
cercamon
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Kommentare
  • Der Artikel ist voll von Wiedersprüchen und Halbwahrheiten. Natürlich ist der Gaspreis in 2016 unter 200$ gefallen und natürlich liefert Turkmenistan durch die Pipeline den günstigsten Gas. (Alle andere im Vergleich sind LNG lieferungen, die naturgemäß deutlich teuerer sind). ABER 185$ ist kein extrem niedriger Preis und ist sogar auf den europäischen Märkten durchaus anzutreffen. Der Vergleich mit den 240$, die Turkmenistan 2015 vom Gasprom bekommen hat ist absolut inkorrekt, da der Preis (wie wir aus dem ersten Satz lesen) in einem Jahr um über 100$ gefallen ist. Auch wenn die Preisdifferenz nicht 1:1 auf das turkmenische Gas zu übertragen ist, kann man trotz dem davon ausgehen dass auch Turkmenistan 2015 von China mehr als 240$ für sein Gas bekommen hat…
    Man sollte also diesen deutlich parteischen Artikel aus der russischen Presse viel kritischer analysieren und deuten.

    14 November 2016
  • Da mein Kommentar hier gelöscht wurde, noch Mal:
    1. Der Preis von 185$ für 1000 Kubikmeter ist zwar niedrig aber durchaus vergleichbar mit dem, was sogar in Europa für russisches Gas bezahlt wird.
    2. Der Artikel suggeriert, dass Gazprom für turkmenisches Gas mehr als China gezahlt hat, was mit keinen Zahlen belegt ist.
    3. Russland als Heilbringer für Turkmenistan zu präsentieren ist einfach lächerlich. Beide Länder sind knallharte Konkurrenten auf dem Gasmarkt. Russland hat mittlerweile Schwierigkeiten sein eigenes Gas abzusetzen. In dieser Situation zu behaupten, dass Russland ein besserer Handelspartner für Turkmenistan wäre ist entweder Irrsinn oder Irreführung.

    Ich bitte die Redaktion diesen Kommentar nicht zu löschen, dafür aber den Auswahl der Informationsquellen zu überdenken. EurAsia Daily fällt schon beim ersten Blick auf die Schlagzeilen als tendenziös auf.
    Danke!

    15 November 2016
    • Jetzt stehen beide Kommentare da. Ich entschuldige mich für Doppelpost, aber es gibt offensichtlich dastellungsprobleme, da der erste Kommentar heute Morgen nicht sichtbar war.

      15 November 2016

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