Modell eines Virus

Coronavirus: Usbekistan führt erneute Quarantänemaßnahmen ein

Ein erneuter Anstieg von Coronavirus-Infektionen erfordert in Usbekistan verschärfte Eindämmungs- und Quarantänemaßnahmen. Damit soll gewährleistet werden, dass das Gesundheitssystem der Epidemie weiter standhalten kann.

Da die Gesamtzahl der Covid-19-Infizierten im Land nun 11.000 überschritten hat, besteht die Gefahr, dass das Gesundheitssystem Usbekistans die Pandemie nicht mehr bewältigen kann. Mit dieser Begründung gaben die usbekischen Behörden am 8. Juli bekannt, dass ab dem 10. Juli bis zum 1. August durch die Sonderkommission zur Bekämpfung des Coronavirus die Eindämmungsmaßnahmen verschärft werden.

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Nach Angaben der usbekischen Online-Zeitung Gazeta.uz wird vor allem der überregionale Verkehr eingeschränkt. Der Verkehr von Kraftfahrzeugen zwischen den Regionen ist verboten. Ausnahmen gelten für staatliche Fahrzeuge und Fahrzeuge von Personen und Organisationen, die in der Landwirtschaft tätig sind. In öffentlichen Gremien sind Präsenzsitzungen verboten: Beamte müssen so weit wie möglich online arbeiten oder nach geltendem Recht Urlaub nehmen. Vergnügungsparks, Basare, Einkaufszentren, Fitnessclubs, öffentliche Schwimmbäder, Restaurants, Internate und Ferienhäuser gehören zu jenen Einrichtungen, die bis zum 1. August geschlossen bleiben müssen.

Öffentliche und private Veranstaltungen mit einer großen Anzahl von Personen – wie etwa Hochzeiten, Familienfeiern, Shows, kulturelle und andere zur Unterhaltung angelegte Events – werden ausgesetzt. Außerdem ist es verboten, sich in Gruppen von mehr als drei Personen an öffentlichen Orten zu versammeln und zu bewegen. Personen, die älter als 65 Jahre sind, dürfen gar nicht in die Öffentlichkeit gehen – eine Maßnahme, die den Beschränkungen ähnelt, die am 2. Juli in Kasachstan verhängt wurden.

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Die Vorschriften für internationale Flüge und den Frachtverkehr wurden ebenfalls überarbeitet. Die Zahl der internationalen Flüge wird auf Grundlage der Bewertung der epidemiologischen Situation im Ausland um die Hälfte reduziert. Wer im internationalen Güterverkehr arbeitet, muss an Usbekistans Grenzen einen obligatorischen Test auf das Coronavirus durchführen, informiert Gazeta.uz.

Am Rande des Zusammenbruchs

Die Krankenhäuser sind überlastet und nähern sich ihrer Kapazitätsgrenze, um den Zustrom von PatientInnen aufzunehmen. Wie das auf Zentralasien spezialisierte Nachrichtenportal Fergana News berichtet, werden gegenwärtig rund 3000 mit Covid-19 infizierte PatientInnen in usbekischen Krankenhäusern bei einer Gesamtkapazität von 7500 Betten behandelt. Um mit der Pandemie fertig zu werden, haben die usbekischen Behörden die Krankenhäuser so umgerüstet, dass 80 Prozent der Betten für Corona-PatientInnen reserviert sind. In der Folge bleiben PatientInnen mit anderen langwierigen oder chronischen Erkrankungen ohne angemessene medizinische Versorgung. Aus diesem Grund haben ÄrztInnen und die wissenschaftliche Gemeinschaft das Coronavirus-Komitee aufgefordert, strenge Quarantänemaßnahmen einzuführen.

„Es wäre nicht übertrieben zu sagen, dass die Ressourcen des Gesundheitssystems heute ihre Grenzen erreicht haben“, sagte Habibulla Oqilov, Mitglied des Komitees zur Bekämpfung des Coronavirus bei einem Krisensitzung am 8. Juli. „Wenn 1000 Covid-19-Fälle pro Tag bestätigt werden, wird das usbekische Gesundheitssystem zusammenbrechen“, so Oqilov weiter. „Heute sind alle Krankenhausbetten belegt. Alle Ärzte sind an der Arbeit. Deshalb haben wir nach Rücksprache mit einer Sonderkommission beschlossen, asymptomatische Patienten zu Hause behandeln zu lassen.“

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Wie das usbekischen Nachrichtenportal Kun.uz berichtet, werden seit dem 5. Juli Infizierte ohne Symptome für zehn Tage unter häusliche Quarantäne gestellt. PatientInnen mit einem milden Verlauf des Coronavirus werden ebenfalls zu Hause behandelt, um die Krankenhäuser nicht zu überlasten.

Usbekistan wird rot

Am 6. Juli hatte das Corona-Komitee bereits die Liste der roten, gelben und grünen Zonen aktualisiert. Diese Einteilung soll den Stand der Ausbreitung der Epidemie in Regionen und Städten darstellen. Grüne Zonen bedeuten ein Fehlen von Infizierten oder die vollständige Heilung aller Erkrankten, die gelben Zonen sind jene Regionen, in denen sich Kranke befinden, in denen aber in den letzten 14 Tagen keine neuen Fälle identifiziert wurden, während in den roten Zone in den letzten 14 Tagen neue Covid-19-Fälle diagnostiziert wurden. So waren am 4. Juli die Hauptstadt Taschkent sowie Buchara und Samarkand gelbe Zonen, und nur die Provinz Farg´ona vollständig  grün.

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Dies ist aber nunmehr vorbei. Wie Gazeta.uz berichtete, erklärte der Sprecher des Innenministeriums Shohruh Giyasov am 8. Juli im Rahmen einer Pressekonferenz zu den bevorstehenden Verkehrsbeschränkungen, dass mittlerweile das ganze Land zu einer roten Zone werde.

Anna Chtorkh, Redakteurin für Novastan

Aus dem Französischen von Robin Roth

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Um steigender Infektionszahlen Herr zu werden, hat Usbekistan erneut die Maßnahmen gegen das Coronavirus verschärft
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