In Nukus wurde ein einzigartiges Mausoleum aus dem 7. Jahrhundert abgerissen

In der Nähe von Nukus, der Hauptstadt der usbekischen Teilrepublik Karakalpakstan, wurde während Restaurierungsarbeiten ein einzigartiges architektonisches Denkmal aus dem 7. Jahrhundert abgerissen: Das Schamunabi-Mausoleum. Die folgende Meldung erschien im russischsprachigen Original auf dem Nachrichtenportal Fergana News.

Der Abriss kam über den Telegram-Kanal Insider.uz ans Licht und wurde von dem Reiseführer, Archäologen und Historiker Oktjabr Dospanow bestätigt. Ihm zufolge wurde das antike Gebäude im Sommer vollkommen zerstört und an seiner Stelle ein neues errichtet. Laut Dospanow begannen die Restaurierungsarbeiten vor ungefähr einem Jahr, aber die örtlichen HistorikerInnen und ReiseleiterInnen durchschauten zu spät, dass der Abriss vorbereitet wurde.

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„Als wir verstanden, dass das Mausoleum abgerissen wird, versuchten wir (die Arbeiten, Anm. d. Red.) zu stören, aber man zeigte uns eine ganze Akte mit allen Genehmigungen für diese ´Restaurierung´“, teilt der Historiker mit. Die Genehmigung wurde vom Kulturministerium erteilt, die Arbeiten leitete der Chef der karakalpakischen Denkmalschutzbehörde Kuamisch Scharipow.

Laut unabhängigen ExpertInnen war das ursprüngliche Mausoleum aus gebrannten Ziegeln gebaut und in sehr gutem Zustand. Lediglich ein paar Kuppeln bedurften der Restaurierung. Der Neubau reicht nicht an die Stabilität des alten Mausoleums heran. Als Begründung für den Abriss wurde ein Mangel an professionellen RestauratorInnen genannt. Im Fall des Shamunabi-Mausoleums übernahmen AbsolventInnen der Architekturhochschule und Arbeitsbrigaden diese Aufgabe.

Zerstörung einzigartiger Stätten kein Einzelfall

Das Schamunabi-Mausoleum wurde 1964 während Ausgrabungsarbeiten in der Nekropole Misdachan am Stadtrand von Nukus entdeckt. Der ursprüngliche Bau hatte eine einzigartige Form: „Es handelte sich um eine Anlage mit sieben Kuppeln und sieben Fensteröffnungen, die alle nach Mekka ausgerichtet waren. Die Gruften erinnerten an Ossuarien, das Tor ähnelte der Tür einer Jurte, und die Mihrab hatte die Form eines Lotus. Das Gebäude verband vier Kulturen, vier Religionen – Christentum, Islam, Buddhismus und Zoroastrismus. Es war ein Symbol der Toleranz, eine Botschaft an die Nachfahren“, erzählt Dospanow.

Es ist nicht der einzige Fall, dass im heutigen Usbekistan Baudenkmäler vernichtet werden. In Karakalpakstan wurde während der Restaurierung die antike Festung Kysyl-Kala aus dem 1. bis 2. Jahrhundert beschädigt. Eine ähnliche „Restaurierung“ droht der Medrese Ereschep Halifa aus der zweiten Hälfte des 9. Jahrhunderts. 2018 wurden im Stadtzentrum von Samarkand historische Gebäude abgerissen, die sich unter dem Schutz der UNESCO befanden. Zuvor wurde das historische Zentrum von Schahrisabz beschädigt.

Fergana News

Aus dem Russischen von Robin Roth

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Leider nicht mehr da: Das Schamunabi-Mausoleum vor dem Abriss
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