Usbekische Sum und US-Dollar

Usbekistan liberalisiert seine Währung und öffnet sich dem internationalen Kapitalmarkt

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Erstmals seit 1996 können die Bürger Usbekistans die usbekische Währung, den Sum, frei in Banken umtauschen. Die Währungsreform ist die bis dato gewagteste Reform des zweiten usbekischen Präsidenten Mirsijojew.

Die Liberalisierung des Währungskurses des usbekischen Sum wurde seit der Wahl des Präsidenten Schawkat Mirsijojew vergangenen September lange angekündigt. Nun ist sie eine Realität. Nachdem am 3. September der Erlass zur „Liberalisierung der Währungspolitik“ Usbekistans unterschrieben wurde, wurde der offizielle Kurs des Sum stark abgewertet.

Für einen Dollar erhielt man in der Bank zuvor 4200 Sum, seit dem 5. September sind es 8100. Diese lang erwartete Reform ist ein starkes Signal zur Öffnung des Landes gegenüber ausländischen Investoren.

Von nun an können Privatpersonen und Firmen ihre Sum und ihre Dollar offiziell unbegrenzt in den Banken tauschen. Der Sum-Kurs wird wie zuvor wöchentlich auf Grundlage des Interbankenmarktkurses definiert. Diese Reform wurde seit den ersten Tagen der Präsidentschaft Mirsijojews vorbereitet. Ihr Ziel ist es, die Investoren und die Bevölkerung davon zu überzeugen, dass die usbekische Währungspolitik nach 26 Jahren Flaute es schafft, einen neuen Aufwind zu bekommen.

Starker Bruch mit der Währungspolitik unter Karimow

Ein Jahr nach der Verkündigung des Todes des ehemaligen Präsidenten Islam Karimow führt Mirsijojew die bisher stärkste, aber auch riskanteste Reform seiner Amtszeit durch. Die Karimow Ära war von einer Hyperinflation in den 1990ern geprägt, gefolgt von einer sehr strikten Kontrolle des offiziellen Sum-Wechselkurses.

Somit konnten ausschließlich Dollar, Euro, Yen und Pfund zu regulierten wöchentlichen Kursen in den Banken getauscht werden. Die Inflation wurde damit nur auf dem Papier gestoppt und es entstand ein Währungs-Schwarzmarkt, in dem ausländische Währungen für deutlich höhere Beträge gehandelt wurden.

Dieser doppelte Wechselkurs stellte ausländische Investoren vor eine Reihe an Problemen, denn sie mussten ihre Dollar nach offiziellem Kurs wechseln, während das Preisniveau in Usbekistan sich nach dem Schwarzmarktkurs richtete. Somit war das Land für Investoren aus dem Ausland doppelt so teuer, wie für Inländer. So konnte man zum Beispiel für 1000 Dollar 420.000 Sum erhalten, deren realer Wert im Alltag aber nur ca. 500 Dollar betrag.

Schlangen vor den usbekischen Banken

Privatpersonen haben indes ihr Geld so gut wie nie in den Banken gewechselt. Das hat sich nun geändert. Wie Eurasianet berichtet, hatten sich schon am 5. September lange Schlangen von Kunden vor den Banken gebildet, die schnell ihre Euro und Tenge (die kasachische Währung) in Sum tauschen wollten.

50000 Sum Scheine Währung Usbekistan

Sie erhielten auch erstmals 50.000 Sum Scheine, die am 22. August eingeführt wurden. Auf diese ca. fünf Euro teuren Devisen sollten bald auch 100.000-Sum Scheine folgen.

Das Problem mit der Inflation und dem Schwarzmarkt

Im selben Präsidialerlass des 3. Septembers wird auch die Dollar-Indizierung der Bezahlung von Gütern und Dienstleistungen auf usbekischem Territorium beendet. Bis zum 5. September waren die Preise von Mobiltelefon-Abos, von Autos und sogar Studiengebühren in Dollar angegeben. Von nun an sind alle Preise in Sum geführt, jedoch dem alten Kurs angepasst, um die Inflation nicht voranzutreiben.

Denn der Wertverfall des Sum ist infolge der Liberalisierung des Währungskurses die größte Sorge der Behörden. Eine weitere Inflation könnte den Dollar-Schwarzmarkt wieder fördern, dessen Ende eines der Ziele der Reform ist.

Es ist zu bemerken, dass der Erlass auch die Sicherheitsbehörden dazu aufruft, ihren Kampf gegen den Schwarzmarkt zu verstärken. Die usbekische Zentralbank ist indes bereit, auf dem Währungsmarkt einzugreifen, um die Sum-Kurse stabil zu halten. Bei der starken Dollarisierung der usbekischen Wirtschaft gibt es jedoch viele Zweifel daran, dass dies ausreichen wird, zumal der Schwarzmarkt unter Duldung der Behörden von einflussreichen Geschäftsmännern kontrolliert wurde.

Um zu sehen, ob die Reform greift, bleibt nur noch zu beobachten, ob der Schwarzmarktkurz dem offiziellen Kurs folgt. Dann wäre der offizielle Kurs ein realer Marktkurs. Dafür muss die Inflation in Grenzen gehalten werden, die Bevölkerung an den offiziellen Sum-Kurs glauben und das Währungssystem an Glaubhaftigkeit gewinnen. Die Antwort wird in wenigen Monaten folgen.

Die Redaktion von Novastan.org

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