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Usbekistan: Tiefgreifende Änderungen in der Visapolitik

Usbekistan schafft zum 1. Februar die Visumpflicht für Staatsangehörige von 45 Ländern ab. Gleichzeitig werden die Ausreisevisa für usbekische StaatsbürgerInnen abgeschafft, was einer Revolution der nationalen Visapolitik gleichkommt.

Die Barrieren fallen in Usbekistan. Wie das Nachrichtenportal Gazeta.uz berichtete, kündigte das bevölkerungsstärkte Land Zentralasiens am 5. Januar an, ab dem 1. Februar die Touristenvisa für Staatsangehörige von 45 Ländern abzuschaffen. TouristInnen aus diesen Ländern müssen dann weder Dokumente ausfüllen noch bezahlen, um sich bis zu 30 Tage auf dem Territorium Usbekistans aufzuhalten.

Auf der Liste der Länder befinden sich dann alle Staaten der Europäischen Union, aber auch Kanada, der Vatikan, Australien und Argentinien. Die Vereinigten Staaten fehlen hingegen auf der Liste. Bis Juli 2018 hatten nur die Staatsbürger von neun Ländern visafreien Zugang nach Usbekistan.

Eine diplomatische Waffe

Wir bereits zuvor berichtet wurde, wird die Visafreiheit für deutsche Staatsangehörige bereits ab dem 15. Januar gelten. Dies kann als eine Art Gastgeschenk im Vorfeld des Staatsbesuchs bewertet werden, zu dem der usbekische Präsident Schawkat Mirsijojew ab dem 20. Januar in Berlin erwartet wird. Die gleiche Strategie wand das Land im Oktober 2018 im Vorfeld von Mirsijojews Staatsbesuch in Frankreich an. Seitdem können französische StaatsbürgerInnen Usbekistan ohne Visum besuchen.

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Des Weiteren wird laut Gazeta.ru die Liste von Ländern, deren Staatsangehörige das elektronische Visasystem nutzen können, ab 1. Februar um 76 Staaten erweitert. Dieses System war im Juli 2018 für Staatsangehörige von 51 Ländern eingeführt worden.

Tourismus als neue Einkommensquelle

Diese Öffnung des Landes war noch vor zweieinhalb Jahren undenkbar, bevor Schawkat Mirsijojew an die Macht kam. „Die Liberalisierung des Visaregimes ist erneut ein deutlicher Beweis, dass das politische Profil Usbekistans sich ändert“, stellt Asam Isabajew, Politologe an der Universität Hamburg, fest.

Abgesehen vom politischen Aspekt, ist diese Öffnung auch einen ökonomische. „Usbekistan hat wirtschaftlich gesehen viele Möglichkeiten in Bezug auf den Tourismus, dessen Potenzial bis dato weit davon entfern ist, ausgeschöpft zu sein“, behauptet Isabajew gegenüber Novastan. Laut offiziellen Statistiken besuchten im Jahr 2018 5 Millionen Gäste Usbekistan, während es 207 noch 2,5 Millionen waren. Wie das Nachrichtenportal UPL24 berichtete, möchte die usbekische Regierung die Zahl der TouristInnen bis 2025 auf 7 Millionen erhöhen.

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Dennoch besteht bei der Herkunft der BesucherInnen ein starkes Ungleichgewicht: Lediglich 6 Prozent der TouristInnen kamen 2018 von außerhalb der Gemeinschaft unabhängiger Staaten (GUS). Die große Mehrheit der nach Usbekistan reisenden ausländischen Staatsangehörigen stammt aus Nachbarländern und kommt für Familienbesuche oder regionalen Tourismus. Die Öffnung der usbekischen Grenzen nach Kirgistan und Tadschikistan kann am ehesten den Anstieg der BesucherInnnen zwischen 2017 und 2018 erklären.

Westliche TouristInnen als Zielgruppe scheinen aus finanziellen Gründen Priorität zu genießen. Wie Fergana News berichtete, gibt ein westlicher Tourist im Schnitt 710 US-Dollar (619 Euro) während einer Reise aus, während es bei einem zentralasiatischen Touristen lediglich 60 US-Dollar(52,30 Euro) sind.

Ausreisevisa für UsbekInnen werden abgeschafft

Die internationale Öffnung Usbekistans betrifft aber gleichermaßen die StaatsbürgerInnen des Landes selbst. Am 1. Januar wurde verkündet, dass die Ausreisevisa für UsbekInnen abgeschafft werden. Diese Visa, die eine Gültigkeit von zwei Jahren hatten, werden ab 2021 durch einen internationalen Reisepass ersetzt. Darüber hinaus werden die UsbekInnen weiterhin einen Inlandspass (ähnlich einem Personalausweis, Anm. d. Ü.) benötigen, um innerhalb des Landes zu reisen. Die neuen Pässe werden biometrisch sein und eine Gültigkeit von zehn Jahren haben.

Die Abschaffung der Ausreisevisa ist eine der wichtigsten Reformen, meint Asam Isabajew. „Die Ausreisevisa waren die Inkarnation der Bürokratie, Kontrolle, Restriktion und Korruption. Diese Reform stellt eine enorme Erleichterung für usbekische StaatsbürgerInnen dar, die regelmäßig ins Ausland reisen oder dort arbeiten oder studieren“, stellt der usbekische Forscher fest.

Das Ende der Ausreisevisa ist ein wichtiges Zeichen der Öffnung, das sich an die UsbekInnen richtet. Es bleibt zu hoffen, dass die Visa nicht durch offiziöse Praktiken ersetzt werden.

Etienne Combier, Mitbegründer von Novastan

Aus dem Französischen von Robin Roth

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