Grenze Usbekistan Tadschikistan

Usbekistan und Tadschikistan: Der Handel boomt dank offener Grenzen

Seit dem 16. März 2018 können tadschikische und usbekische Staatsbürger sich im Land des anderen für einen Monat ohne Visum aufhalten. Das ist das Ergebnis des historischen Besuchs des usbekischen Präsidenten in Tadschikistan vom 9. und 10. März. Die Korrespondenten von „The Open Asia“ haben sich am Grenzübergang „Dusti“ umgeschaut. Der Grenzübergang ist mit nur 70 Kilometern Entfernung der, der der tadschikischen Hauptstadt Duschanbe am nächsten liegt. Die Öffnung der Grenzen hat hier nicht nur zuvor getrennte Familien wieder zusammengeführt sondern auch die örtliche Wirtschaft angekurbelt. Novastan übersetzt den Artikel von The Open Asia mit freundlicher Genehmigung der Redaktion. 

An der Haltestelle, von der die Autos zur tadschikischen Grenzstadt Tursunsoda losfahren, stehen Taxifahrer. Die Fahrt bis zur Grenze kostet pro Person 20 Somoni, umgerechnet 2,2 US-Dollar.

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Drei Mal am Tag fahre ich die Strecke bis zur Grenze und zurück. Mehr schaffe ich einfach nicht. Kunden gibt es allerdings viele, in beide Richtungen und egal zu welcher Tageszeit“, so der Taxifahrer Abdurachmon Samiew. Er erzählt, dass der Großteil seiner Kunden Bewohner der usbekischen Stadt Sariasiya sind, die die tadschikische Hauptstadt besuchen und abends nach Hause zurückkehren.

Offiziellen Angaben zufolge übertreten täglich bis zu zwei Tausend Bürger beider Länder den Grenzübergang „Dusti“

Ein neuer Markt an der Grenze

Neben dem Grenzübergang fällt eine große Menschenmenge ins Auge. Wie sich herausstellt, haben die örtlichen Bewohner hier spontan einen Markt eröffnet, wo nun Waren aus Usbekistan verkauft werden.

Die Preise hier am Grenzübergang seien niedriger als in Tursundaze, der nächsten Stadt, was ihnen einen Vorteil bringt, erzählen die Verkäufer.

Der 30-jährige Usbeke Samandar Kodirow zum Beispiel fährt jeden Morgen zusammen mit seinen Schwestern nach Tadschikistan und abends zurück nach Usbekistan. Sie verkaufen Erbsen für 12,5 Somoni (1,4 US-Dollar) das Kilogramm. In Duschanbe kostet das Kilogramm Erbsen schon 18 Somoni (2 US-Dollar).

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„Wir verkaufen bis zu 300 Kilogramm Erbsen pro Tag. Manchmal kommen unsere Kunden sogar aus Kurgan-Tübe und kaufen alle unsere Säcke auf. Jetzt zum Beispiel ist der Sack mit Erbsen fast leer, mein Bruder bringt gerade zwei neue“, so Kodirow.

Die Grenzkontrolleure beider Länder stehen dem Handel nicht im Wege. Wichtig ist nur, dass ein Qualitätszertifikat vorhanden ist.

Der 53-Jährige Akramboi Mamadow fährt jeden Tag nach Usbekistan um Süßigkeiten, Bonbons und Kinderspielzeug einzukaufen. Er beschloss in den Handel einzusteigen, da er sich zuhause zu sehr langweilte. Sein ganzes Leben hatte Mamadow als Arbeitsmigrant gearbeitet, bis er mit Diabetes diagnostiziert wurde und keine Schwerstarbeiten mehr ausüben konnte.

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„Als die Grenze geöffnet wurde, beschloss ich auszuprobieren, ob es mir gelingt in den Handel einzusteigen. Nun bin ich wieder nützlich für meine Familie und die Kinder. Das Geld, das ich verdiene reicht jetzt zumindest für meine Medikamente“, erzählt Mamadow.

Alle seine Waren verkauft er für 15 Somoni, umgerechnet 1,6 US-Dollar. Genau die gleichen Produkte werden in Duschanbe für das Doppelte verkauft. Es lohnt sich für die meisten Verkäufer allerdings nicht, ihr Geschäft bis in die Hauptstadt auszuweiten, denn der Transport ist teuer.

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Made in Tajikistan

Nicht nur Tadschiken kaufen in Usbekistan ein, auch Usbeken fahren nach Tadschikistan, um Produkte zu erstehen. Vor allem tadschikische Aluminiumwaren sind beliebt: Manti-Kocher (spezielle Töpfe in denen die traditionellen Manty, mit fleisch gefüllte Teigtaschen gegart werden, Anm.d.Red.), Töpfe und allerlei anderes. Dschudabek Aliew hat zehn Manti-Kocher für je 100 Somoni (11 US-Dollar) zunächst nur für seine Familie eingekauft.

„Wenn sie den Verwandten gefallen, dann überlege ich, sie auch auf dem Markt zu verkaufen. Zunächst einmal ist wichtig, dass sie meiner Familie gefallen.“, lacht Aliew. 

Usbekische Produkte beeinflussen die Preise in Duschanbe

Zum Markt an der Grenze kommen auch viele mit dem Auto aus Duschanbe und kaufen verschiedene Waren ein: Eier, Früchte, Spielzeug und Erbsen. Einer der Fahrer, der sich als Sirdschiddin vorstellt, erklärt, dass er für den persönlichen Gebrauch einkauft, nicht für den Handel.

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„Um die Grenze mit einem Auto zu überqueren, muss ein Zoll in Höhe von 50 US-Dollar bezahlt werden. Die Händler hier machen vielleicht Profit, aber es ist trotzdem viel billiger als in Duschanbe.“, erzählt Sirdschiddin.

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Die Öffnung der Grenzen und der Import von usbekischen Produkten hat dadurch auch den Markt in Duschanbe beeinflusst. Ein Sack Mehl kostet zum Beispiel nun nur noch 140 Somoni (15 US-Dollar) anstatt von 180 (20 US-Dollar), ein Korb Eier 18 (2 US-Dollar), anstelle von 27 (3 US-Dollar) und Zucker 6 (0,6 US-Dollar) anstatt von 8 Somoni (0,8 US-Dollar).

Im russischen Original auf The Open Asia

Aus dem Russischen übersetzt von Charlotte Dietrich

 

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Am Grenzübergang „Dusti“ herrscht reger Verkehr
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An der tadschikisch-usbeksichen Grenze
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Der neue Markt nahe der Grenze
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Der Händler Mamadow verkauft Spielzeug und Süßigkeiten aus Usbekistan
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Der Markt an der Grenze.
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Die Waren sind an der Grenze sehr viel günstiger als in Duschanbe
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