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Usbekistan will 3000 US-Dollar an TouristInnen zahlen, die sich im Land mit dem Coronavirus infizieren

Usbekistans Regierung hat bekanntgegeben, dass TouristInnen, die sich während ihres Aufenthalts im Land mit dem Coronavirus infizieren, eine Zahlung von 3000 US-Dollar erhalten werden. Diese Maßnahme ist Teil eines Programms zur Gesundheitssicherung, das darauf abzielt, eine rasche Erholung des Tourismus zu fördern, da dieser wichtige Wirtschaftszweig von der Corona-Krise stark getroffen wurde.

Wie kann man TouristInnen vor dem Hintergrund von Reisebeschränkungen angesichts einer globalen Pandemie zurück ins Land holen? In Usbekistan hofft die Regierung, eine Lösung gefunden zu haben. Am 19. Juni unterzeichnete Präsident Shavkat Mirziyoyev nach Angaben des Fernsehsenders Uzbekistan 24 TV eine Resolution, die die Erholung der Tourismuswirtschaft im Land fördern soll.

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Mit der Resolution wird ein Programm zur Gesundheitssicherung mit dem Titel „Usbekistan – eine garantiert sichere Reise“ eingeführt, das 3.000 US-Dollar (rund 2.676 Euro) an TouristInnen zahlt, die sich in Usbekistan mit dem Coronavirus infizieren. Diese Entschädigung im Krankheitsfall wird jedoch nur ausländischen TouristInnen angeboten, die sich in Usbekistan im Rahmen einer von einer lokalen Agentur organisierten Reise aufhalten.

System zur Gesundheitszertifizierung eingerichtet

Im Rahmen des Programms „Usbekistan – eine garantiert sichere Reise“ wurden auch weitere Maßnahmen angekündigt. So wird, um ausländische TouristInnen unterbringen zu dürfen, nunmehr unter anderem ein Gesundheitszertifikat benötigt. „Reiseveranstalter, Hotels und alle, die mit der Tourismusbranche verbunden sind, werden einen Antrag auf ein spezielles Zertifikat einreichen, das ausgestellt wird, nachdem eine Reihe von notwendigen Anforderungen erfüllt wurde. Dieses Zertifikat wird es ihnen ermöglichen, mit Touristen zu arbeiten“, erklärte Rovshan Izamov, Präsident der usbekischen Kammer für innovative Gesundheitsversorgung, laut der usbekischen Online-Zeitung Gazeta.uz.

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Das Zertifikat wird vom staatlichen Komitee für Tourismus verliehen. Die Einrichtungen, die das wertvolle Papier erhalten, werden in das Programm „Usbekistan – eine garantiert sichere Reise“ eingetragen und können dann TouristInnen aufnehmen. „[Die TouristInnen] müssen sicher sein, dass weder eine Infektion in irgendeiner Form – sei es durch das Coronavirus oder durch Bakterien – noch andere Probleme in Bezug auf ihr gesundheitliches Wohlbefinden sie beeinflussen werden“, betonte Izamov gegenüber Uzbekistan 24 TV.

Für Unternehmen kostet die Zertifizierung 446.000 Sum, was in etwa 39 Euro entspricht. Die auf diese Weise gesammelten Gelder werden einem speziellen Fonds für den Tourismus zugeführt. Dieser Fonds ist bereits mit 20 Milliarden Sum (etwa 1,75 Millionen Euro) aus dem von den Behörden eingerichteten Anti-Krisen-Fonds ausgestattet.

Usbekistans Tourismusbranche stark von Pandemie getroffen

Vor der pandemiebedingten Schließung der Außengrenzen am 16. März lief die usbekische Tourismusbranche auf Hochtouren. Offiziellen Angaben zufolge besuchten 2019 circa 6,7 Millionen Menschen das Land. Das bedeutet gegenüber 5,3 Millionen im Jahr 2018 einen Anstieg von 21 Prozent. Dieser rasante Aufschwung wurde durch eine Politik der Öffnung erleichtert. So hat Usbekistan im Februar 2019 Staatsangehörige aus 45 Ländern, darunter auch Deutschland und Frankreich, von der Visapflicht befreit.

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Die Schließung der Grenzen hat die Tourismuswirtschaft aber fast zum Stillstand gebracht. Nach Angaben des auf Zentralasien spezialisierten Nachrichtenportals Fergana News haben 1.500 Reiseveranstalter, 1.200 Hotels, mehr als 250.000 ReiseführerInnen, HandwerkerInnen, GastronomInnen und ArbeiterInnen im Transportwesen ihre Arbeit eingestellt, weil es keine KundInnen gibt. Die usbekische Präsidialverwaltung hat selbst eingeräumt, dass das Einkommen von mehr als 250.000 Menschen durch den Zusammenbruch des Tourismus „ernsthaft beeinträchtigt“ ist.

Um eine hohe Anzahl an Insolvenzen zu vermeiden, haben die Behörden schnell reagiert. Am 27. Mai versprach Präsident Mirziyoyev Maßnahmen zur Unterstützung der Branche. Wie Fergana News berichtet, sind Unternehmer aus dem Tourismus- und Hotelsektor bis Ende 2020 von der Zahlung der Grundsteuer und der Tourismusabgabe befreit. Darüber hinaus werden die Hotels von direkten staatlichen Subventionen profitieren.

Teilweise Wiederaufnahme des internationalen Luftverkehrs

Dennoch wird diese Unterstützung nicht ausreichen, wenn die TouristInnen nicht zurückkommen. So wurde der Plan „Usbekistan – eine garantiert sichere Reise“ entwickelt, um ausländische TouristInnen zu beruhigen und sicherzustellen, dass sie zurückkommen, sobald die Grenzen geöffnet sind. Aber trotz der Einführung dieses Programms hat die usbekische Regierung noch nicht den Zeitpunkt benannt, an dem sich das Land wieder für den internationalen Tourismus öffnen wird.

Obwohl der internationale Luftverkehr nach Usbekistan am 15. Juni teilweise wiederaufgenommen wurde, hat die Regierung erhebliche Einschränkungen verhängt. Wie das usbekische Nachrichtenportal Kun.uz berichtete, dürfen derzeit nur bestimmte Gruppen ausländischer Staatsangehöriger, insbesondere an Investitionsprojekten beteiligte ExpertInnen oder Personen mit Wohnsitz in Usbekistan, in das Land einreisen, sofern sie sich in Ländern aufgehalten haben, deren epidemiologische Lage als „stabil“ gilt. TouristInnen hingegen sind noch nicht auf der Liste der Personengruppen, die ins Land gelassen werden.

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Dennoch bleibt ein Hoffnungsschimmer für die Tourismusbranche: Einige ausländische Fluggesellschaften haben ihre Bereitschaft erklärt, Flüge nach Taschkent wieder aufzunehmen. Dies ist ein Zeichen dafür, dass bald eine zaghafte Erholung beginnen könnte. Am 22. Juni kündigte die nationale türkische Fluggesellschaft Turkish Airlines auf ihrer Website an, ab dem 1. Juli vier Flüge pro Woche zwischen der Türkei und Usbekistan durchführen zu wollen.

Eine verlangsamte Erholung durch einen Ausbruch der Epidemie?

Dass die von der Tourismusbranche erhoffte Erholung noch nicht eingetreten ist, liegt auch daran, dass Usbekistan derzeit einen besorgniserregenden Anstieg der aktiven Coronavirus-Fälle verzeichnet. Nach Angaben des usbekischen Gesundheitsministeriums gab es am 24. Juni 6.901 bestätigte Infektionen und 19 Todesfälle. Von diesen Fällen sind derzeit 2.197 aktiv, was einen Rekord darstellt. Der vorherige Höhepunkt der Epidemie war am 20. April erreicht worden, als „nur“ 1.361 aktive Fälle registriert worden waren. Die Zahlen zeigen also, wie schwierig es auch mehr als drei Monate nach den ersten im Land festgestellten Covid-19-Fällen für die Behörden ist, die Epidemie zu bekämpfen.

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Trotz der steigenden Zahl der Infektionen hat die Regierung am 15. Juni einige Einschränkungen aufgehoben. In manchen Bezirken konnten Cafés, Restaurants und Bekleidungsgeschäfte ihre Türen wieder öffnen. Auch die Baubranche kam wieder in Schwung. Am 14. Juni gaben die Behörden jedoch bekannt, dass die Aufteilung des Landes in drei Zonen (grün, gelb und rot), je nach Schwere der epidemiologischen Situation, mindestens bis zum 1. August in Kraft bleiben wird. Dies ist ein Zeichen dafür, dass die Erholung des Tourismus auf dem gesamten usbekischen Territorium wahrscheinlich nicht sofort beginnt.

Quentin Couvreur, Redakteur für Novastan

Aus dem Französischen von Robin Roth

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TouristInnen, die sich in Usbekistan mit dem Coronavirus infizieren, sollen 3000 US-Dollar Entschädigung erhalten (Illustration)
Robert Wilson (via Flickr)
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