Blick über den Aydarsee

Warum der Aralsee nicht das einzige Umweltproblem Usbekistans ist

In Zentralasien sind 90 Prozent der Umweltprobleme mit Wasser verbunden. Hiervon berichtet Wadim Sokolow, Leiter der Agentur zur Realisierung von Projekten des internationalen Fonds für die Rettung des Aralsees. Mit ihm sprach Anhor.uz über das Aydar-Arnasay-Seensystem und seine Problematik. Wir übersetzen den Artikel mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.

Tatsächlich gibt es in Usbekistan nicht nur das Problem des Aralsees. Es gibt auch in anderen Regionen Umweltprobleme; wie das des Aydar-Arnasay-Seensystems, das sich über die  Regionen Jizzax, Navoiy und Samarkand erstreckt. Auch im Süden des Landes gibt es große Umweltprobleme, zum Beispiel in Qashqadaryo oder Surxondaryo, wo ein ständigen Wassermangel herrscht. Jeder zusätzliche Tropfen Wasser kann dabei helfen diese Umweltprobleme zu lösen.

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Was genau ist das Problem des Aydar-Arnasay-Seensystems?

Der Aydarsee (usbekisch Haydarko´l) ist ein natürlicher See, der vor allem durch Grundwasser Zufluss erhielt. 1969 gab es eine große Überschwemmung durch den Fluss Syrdarja. In dieser Periode wurde entschieden, fast den gesamten jährlichen Abfluss des Syrdarja in diese Senke zu leiten, um die Bevölkerung am unteren Flusslauf zu retten – besonders in Kasachstan. So bildete sich das berühmte Aydar-Arnasay- Seensystem. Dort befinden sich nun etwa 30-40 Kubikkilometer Wasser. Nur ist es praktisch unmöglich dieses Wasser zu nutzen. Um dies zu ermöglichen, müsste ein Pumpwerk gebaut werden. Das Wasser dort ist kein Süßwasser, sondern eher salzhaltig. Daher ist es schwierig, es für wirtschaftliche Zwecke zu nutzen. Es formierte sich dort ein eigenes Ökosystem: Der Ort zog Fische und Vögel an.

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Im ursprünglichen Teil des Seensystems, das in Nachbarschaft mit dem Schardara-Stausee (in Kasachstan, Anm. d. Red.) liegt, gibt es außerdem etwas Süßwasser. Vor zehn Jahren baute Usbekistan dort eine Pumpstation, um es bei Wassermangel für die Region Sirdaryo abzupumpen. Dieses Süßwasser lässt sich zur Herstellung von Getränken und zur Bewässerung nutzen.

Wie steht es heute um das Seensystem?

Heute gibt es zwei Aufgaben – man darf den See nicht sterben und damit an seiner Stelle erneut eine salzhaltige Wüste entstehen lassen. Dieses natürliche Objekt zur Revitalisierung hat eine besondere wirtschaftliche Bedeutung, weil es dort eine große Zahl an Fischen gibt.

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In den letzten Jahren wurden ziemlich angespannte Gespräche mit den kasachischen Kollegen geführt. Kasachstan hat ein großes Projekt zur Verbesserung der Strömung im unteren Syrdarja-Delta realisiert. Kasachstan ist deshalb nicht bereit, Wasser in den Aranasay fließen zu lassen und möchte es stattdessen ausschließlich zu sich selbst leiten. Es gab Verhandlungen und im letzten Jahr wurde sich über folgenden Punkt verständigt: Kasachstan stimmte zu, zu besonders wasserreichen Zeiten 1,5 Kubikkilometer Wasser im Jahr aus dem Schardara-Stausee ausfließen zu lassen, um mithilfe dieses Wassers den See selbst zu unterstützen.

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Von usbekischer Seite wird vor allem Abwasser in den See geleitet. Wenn dieses nicht verdünnt wird, werden wir wieder einmal ein totes Meer auffinden. Das ist ebenfalls eines der größten Probleme für Usbekistan, das wir zu lösen versuchen und dabei unsere Nachbarn, Freunde und Partner hinzuziehen.

Anhor.uz

Aus dem Russischen von Phillip Schroeder

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Auch der Aydarsee in Usbekistan ist bedroht
David Holt
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